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Igor Strawinski

Orpheus, Danses concertantes

Orpheus Kammerorchester

Deutsche Grammophon 459 644-2
(50 Min., 12/1995, 12/1996) 1 CD, DDD

"Orpheus spielt Orpheus" – eine Kombination, die auf der Hand liegt; erstaunlich daher, dass das dirigentenlose Kammerorchester aus Amerika erst jetzt Strawinskis vorletzte Ballettpartitur eingespielt hat. Nichtsdestoweniger ist die Aufnahme höchst willkommener, handelt es sich doch um ein höchst selten aufgeführtes Werk Strawinskis. Man versteht auch warum: Mit "elementarer Rhythmik", "heidnischer Wucht" und ähnlichen gemeinhin als Strawinski-typisch angesehenen Charaktereigenschaften hat das Stück so gar nichts zu schaffen. Im Gegenteil: "Orpheus" (1947) präsentiert sich von beinahe provozierender Schlichtheit, meist langsam, meist leise, äußerst sparsam instrumentiert, von introvertierter, leiser Trauer durchtränkt. Hier meldet sich schon von ferne der asketische Stil von Strawinskis später, zwölftöniger Periode. Ähnlich filigran, doch viel fröhlicher, gelegentlich gar ausgelassen im Ausdruck die "Danses concertantes" von 1942 – Strawinski light.
Das Orpheus-Kammerorchester bietet sehr nuancierte, detailgenaue Interpretationen, die das Strukturgerüst beider Werke dezent nachzeichnet und auch in der Behandlung der klangfarblichen Werte keine Wünsche offenlässt. Die kleine Besetzung des Orchesters unterstreicht besonders im "Orpheus" den strengen, kammermusikalischen Charakter der Musik. Nur gelegentlich, besonders in den "Danses concertantes", wenn die Musik gleichsam wie mit Anführungszeichen spricht, wünschte ich mir etwas mehr gestalterische Flexibilität.

Thomas Schulz, 30.04.1999



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