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Heinrich Schütz, Dieterich Buxtehude u.a.

Deutsche Barockkantaten

Andreas Scholl, Concerto di viole, Capricornus Consort Basel

Harmonia Mundi France/Helikon HMC 901651
(70 Min., 10/1997) 1 CD

Die CD-Präsentation ist so luxuriös wie der Inhalt kostbar. Und dies, obwohl es sich “nur” um kleine deutsche Barockkantaten handelt, die neben Heinrich Schütz und Dieterich Buxtehude von kaum noch bekannten Komponisten wie Johann Christoph Bach, Giovanni Rovetta, Franz Tunder oder Philipp Heinrich Erlebach stammen. Der festliche Aufwand gilt Andreas Scholl, einem der gefeiertsten Kontratenöre unserer Zeit, dessen Ausnahmestellung sich auf die einzigartige Verbindung von Schmelz und klarer Tongebung, von Wärme und Durchsetzungsvermögen seiner Stimme gründet.
Der einunddreißigjährige, in Basel lebende Deutsche ist ein Meister der barocken Affektensprache, die hier vorwiegend der Trauer, dem Glaubens-Trost und dem “Klag-Lied” mit seinen Seufzer-Motiven und chromatisch abwärts gerichteten Gängen gilt. Es fasziniert, wie Scholl der Balanceakt zwischen religiöser Schlichtheit und emotionaler Eindringlichkeit dieser unscheinbaren, vorwiegend in Nord- und Mitteldeutschland während des 17.Jahrhunderts gepflegten Kantaten-Gattung gelingt. Er weiß wie kaum ein anderer seines Faches die sparsame Raffinesse feiner Verzierungen einzusetzen und - wie in Schütz’ drei “Kleinen Geistlichen Konzerten” - Kantilenen aufblühen und im Pianissimo verklingen zu lassen.
Buxtehudes ergreifendes Klag-Lied “Muß der Tod denn auch entbinden” wie auch das kontrastierende “Jubilate Domino” mit seinen virtuosen, von Scholl in klarster Diktion präsentierten Freuden-Läufen prägen sich nachdrücklich ein. Ebenbürtig und nahtlos knüpfen daran die vier Gambisten des Concerto di Viole und das Basel-Consort mit Sonaten von Legrenzo und Albertini an.

Christoph Braun, 30.06.1998



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