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N° 1224
23. - 29.10.2021

nächste Aktualisierung
am 30.10.2021



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Johann Schop

Erster Theil newer Paduanen, Galliarden, Allemanden, Balletten, Couranten und Canzonen

Hamburger Ratsmusik, Simone Eckert

Thorofon CTH 2464
(56 Min., 1/2006) 1 CD

Im Musikunterricht haben wir gelernt, dass die "drei großen deutschen S" des 17. Jahrhunderts Schütz, Schein und Scheidt heißen. Simone Eckert und das Ensemble Hamburger Ratsmusik scheinen allerdings auch Johann Schop (ca. 1590 - 1667) mit Großbuchstaben schreiben zu wollen. Dank ihrer sorgfältigen Interpretation kann sich seine 1633 publizierte Tanzmusiksammlung durchaus neben Aufnahmen von Tänzen Schein und Scheidts hören lassen; ihr Schöpfer darf somit, da Schütz keine Tänze herausgab, als würdiges Ersatz-S durchgehen. Dass Schop bisher selbst gut informierten Musiklehrern unbekannt blieb, liegt daran, dass seine Sammlung im Gegensatz zu Scheins "Banchetto Musicale" oder Scheidts "Ludi musici" erst seit 2003 in einer Gesamtausgabe vorliegt. Ob wir hier schon alle Qualitäten des einst hoch gerühmten langjährigen Leiters der Hamburgischen Ratsmusik kennen lernen, darf man trotzdem bezweifeln: Den Virtuosen Schop lernen wir in den Tänzen beispielsweise kaum kennen. Es ist eine Musik, die sachlich und kontrolliert daherkommt; nur hier und da gibt sich der Komponist, Meister John Dowland zitierend, der Melancholie der englischen Consortmusik hin. Man könnte diese Stücke durchaus als unterhaltsame Tanzmusik auffassen, so wie es das Ensemble Doulce Mémoire mit den Tänzen von Schops kurzzeitigen Vorgesetzen Michael Praetorius gerade eindrucksvoll vorgeführt hat (K 617186). Eckert und ihr Ensemble gehen einen anderen Weg: sie glauben, dass Schops Tänze am stärksten als Kunstmusik wirken. Ganz auf den edlen homogenen Klang und die Durchsichtigkeit ihres Gambenensembles setzend, lenken sie, statt Tanzbeine zum Zucken zu bringen, lieber das Ohr auf die hervorragend gearbeiteten Mittelstimmen; Sinnlichkeit vermitteln sie bei aller nobel-hanseatischen Zurückhaltung dann aber doch durch Spannungsbögen, die von einem tiefen und weiten Atem beseelt sind.

Carsten Niemann, 14.07.2006



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