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Barbara Strozzi

Kantaten, Arien, Lamenti

Susanne Rydén, Ensemble Musica Fiorita

HMF/Helikon HMC 7 94881 50412 1
(73 Min., 2/1998) 1 CD

Mal wieder eine "politisch korrekte" Platte, mit der das unterdrückte Geschlecht seine Kulturgeschichte aufarbeitet und zum x-tenmal demonstriert, dass auch Frauen komponieren konnten und wir Männerschweine das zu verhindern bzw. zu ignorieren suchten? Zynisch oder achselzuckend könnte man die neue CD in die feministische Ecke legen, zumal die Interpretenriege neben fünf Frauen- nur zwei Alibimännernamen aufweist. Wäre da nicht die Musik Barbara Strozzis!
Was die Barockkomponistin an Kantaten, Arien, Lamenti und Opernszenen im monodischen Stil verfasste, verträgt nicht nur den Vergleich mit ihren bekannten männlichen Kollegen; der harmonische Reichtum, die Finesse, mit der alle Gefühlsregungen eines hoffnungs- und hingebungsvoll, ängstlich, verzweifelt, schließlich zutiefst resigniert Liebenden nachempfunden werden, erinnert nicht selten an die einzigartige Deklamationskunst des großen Vorbildes Monteverdi. Und neben der wahrhaft herzergreifend-unglücklichen Liebe weiß die in den venezianischen Adelskreisen des 17. Jahrhunderts berühmte, von allen Männern begehrte Künstlerin auf sarkastisch-bissige Art auch von der "Art der Großen" - "Besitzen, verlassen" - zu singen. (Sie selbst, ein uneheliches Kind des Literaten Giulio Strozzi und seiner Dienerin, hatte zumindest mit dem Vater Glück, der ihr eine umfassende Ausbildung ermöglichte.)
Restlos vertraut mit der Materie des verzierungs- und nuancenreichen deklamatorischen Stils, präsentieren die schwedische Sopranistin Susanne Rydén und das von Daniela Dolci geleiteten Ensemble Musica Fiorita die elf Kleinode. Allenfalls manche metallen klingende Höhe Rydéns trübt ein wenig den ästhetischen Hochgenuss. Gleichwohl: Mit dieser Platte sollte ihre Mandantin endlich und erfolgreich im (barocken) Männer-Komponistenolymp Platz nehmen können.

Christoph Braun, 03.08.2000



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