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Benedetto Ferrari, Barbara Strozzi, Henry Purcell, John Dowland

Barocke Lieder [Baroque Melodies]

Anne Sofie von Otter, Jory Vinikour, Jacob Lindberg, Anders Ericson

DG/Universal 477 5114
(68 Min., 2/2004) 1 CD

Gewissenhafte Barockfreunde, die in der Alten Musik vor allem die Begegnung mit dem Fremden, dem Querständigen suchen, die den rauhen Widerstand alter Stimmungen kitzelnd in den Ohren spüren wollen und denen keine Kantate zu lang, keine Messe zu fromm sein kann, werden auch gegen diese CD Einwände erheben können. Ihnen wird das Klangbild zu rund und gefällig erscheinen und vielleicht werden sie auch bemängeln, dass es hier nur so von eingängigen Stücken und insbesondere Ciacconen mit groovigen Rhythmen wimmelt. Dennoch möchte ich den sehen, der bei der Charmeoffensive des Eröffnungstücks weiterzappen könnte! Anne Sofie von Otters jugendliches Lachen kullert durch die Koloraturen und schimmert noch durch, wenn sie jene unglücklichen Liebhaber nachahmt, die mit Dackelblick ihren grausamen Schönen nachheulen. Doch obwohl sich von Otter von einer Vielzahl lebendigster Emotionen hinreißen lässt, bringt sie doch das Kunststück fertig, nirgendwo affektiert zu erscheinen. Die Lieder, Kantaten- und Opernszenen, teils aus alten Evergreens von Purcell und Dowland, teils aus jüngeren Hits und hitverdächtigen Entdeckungen von Komponisten wie Benedetto Ferrari und Barabara Strozzi zusammengesetzt, wirken wohl deshalb so überzeugend heutig, weil sie immer auch wegen der Texte ausgesucht sind: Den spielerischen Reimwitz von John Fletcher ("You make no reply / but look shy / and with a scornful eye / kill me by your cruelty") kostet von Otter ebenso aus wie die hintergründige Erotik eines tröstenden Schlaflieds für die Kurtisane Poppea: Lustvoll genießt sie die makellose Schönheit ihrer mühelos geführten Stimme, zelebriert die vielfältig schattierten, ausgehaltenen Liegetöne und bewahrt ihnen doch ein melancholisches Geheimnis.

Carsten Niemann, 19.03.2005



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