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Alfred Schnittke

Konzert für drei, Streichtrio

Gidon Kremer, Yuri Bashmet, Mstislaw Rostropowitsch, Moskauer Solisten

EMI 5 55627 2
(54 Min.) 1 CD

Nicht zuletzt aufgrund des Einsatzes namhafter Interpreten wie Mstislaw Rostropowitsch, Gidon Kremer und Yuri Bashmet hat Alfred Schnittke in den vergangenen Jahren seinen Platz als einer der am meisten aufgeführten Gegenwartskomponisten eingenommen. Dabei bietet seine Musik alles andere als leichte Kost. Schnittkes Poly-Stilistik, wie sie im Streichtrio von 1985 ausgeprägt erscheint, erschöpft sich nicht in einer bunten Collage verschiedener Kompositionstile, sondern ist stets mit schmerzhaften Akzenten versetzt, schwankt zwischen Tragik und bitterer Ironie. Ob die Substanz des zweisätzigen Stücks seine beträchtliche Länge trägt, möchte ich allerdings bezweifeln.
Im „Konzert für drei“, das Schnittke zu seinem sechzigsten Geburtstag Rostropowitsch, Bashmet und Kremer auf den Leib schneiderte, erscheint Schnittkes Tonsprache wesentlich reduziert, fast karg. Im Grunde handelt es sich weniger um ein Konzert als vielmehr um eine Folge von drei streicherbegleiteten Monologen, wobei pro Satz nur eines der Soloinstrumente zu Wort kommt. Erst am Schluss treten sie alle zusammen auf – allerdings nicht in einem herkömmlichen Finale, sondern in einem irrwitzigen Perpetuum mobile, das nach schon anderthalb Minuten von einem unwirschen Akkord des Klaviers gewaltsam beendet wird. Über die seltsame Dramaturgie des Werks lässt sich ebenso diskutieren wie über den allzu spärlichen Orchesterpart, nicht jedoch über über die tief empfundene und engagierte Interpretation der drei Widmungsträger.

Thomas Schulz, 30.04.1996



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