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Ludwig van Beethoven, Franz Liszt

Sinfonien Nr. 1–9 (Klavierbearbeitung)

Konstantin Scherbakow

Naxos 8.505219
(348 Min., 1998 - 2006) 5 CDs

Was vor Jahrzehnten noch bestenfalls als Abklatsch eines Höheren, als Fleißprodukt galt, hat mittlerweile eine grundlegende Neubewertung erfahren: Klavierbearbeitungen von Orchesterwerken, im 19. Jahrhundert zunächst einfach ein technisch notwendiger Schritt, um diese Musik zu Hause nachspielen und hören zu können. Franz List, der unermüdliche Pädagoge, hat zahlreiche dieser Klavierauszüge erstellt und fühlte sich dabei ganz im Dienst des Werkes und seiner Popularisierung. "Die bisher gebräuchlichen Arrangements sind dann unmöglich gemacht; man möchte sie viel lieber Dérangements nennen...", schreibt er über "seine" neun Beethovensinfonien, die er in den Jahren 1837 und 1863 bis 1864 anfertigte.
Unmöglich sind die Sachen eigentlich immer noch, zumindest für den Hobbypianisten, denn der Anspruch eines Liszt hat hier doch etwas geschaffen, das eben die Renaissance des Genres als künstlerische Reflexion von eigenem Wert begründet. So ist es ein ausgesprochenes Vergnügen, Konstantin Scherbakov zu lauschen und den Gedanken Beethovens in ungewohnter Klarheit, gewissermaßen reduziert auf die Struktur, zu folgen. Ja, immer wieder gibt es Stellen, die wie eine Bestätigung des vom Orchester nur Erahnten wirken, und man kommt sogar zu dem Gedanken, wie gewagt Beethoven doch so einiges angelegt hat. Scherbakow versucht sich weniger an einer Imitation des Orchesters, er spielt vielmehr den Möglichkeiten des Klaviers entsprechend: Kleine Rubati, die einem großen Ensemble sicher misslingen würden, manche Tempi, die er etwas schneller nimmt als üblich (oder möglich), finden sich in seiner Interpretation. Zupackend gelingen ihm die Orchestertutti mit vollen Akkorden und hämmernden Oktaven. Lieblich und vielstimmig klingt dagegen etwa das Larghetto der 2. Sinfonie, überhaupt ist die Polyphonie von Scherbakov ausgezeichnet herausgearbeitet. Man möchte diese Einspielungen genauso zur Vorbereitung auf ein Sinfoniekonzert wie zum Neu-Hören des Altbekannten empfehlen.

Matthias Reisner, 08.02.2006



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