Responsive image
Alfred Schnittke

Vladimir Spivakov - Tribute To Alfred Schnittke

Alexander Ghindin, Moskauer Virtuosen, Vladimir Spivakov

Capriccio/Delta Music 67 016
(78 Min., 6/2001) 1 CD

Alfred Schnittkes "Suite im alten Stil" hat etwas Verwirrendes: Im Gegensatz zu ähnlichen Werken von Grieg und Strawinsky klingt sie wirklich wie eine barocke Komposition, gebrochen nur durch ein paar romantische Harmonien. Der uninformierte Hörer merkt, dass hier etwas nicht stimmt und dass es sich zumindest um einen recht exzentrischen Barockmeister handeln muss, den man nicht so recht einzuordnen vermag.
Die Verfügbarkeit aller Stile ist ein Stilmittel in Schnittkes Musik, und das bedeutet auch die Verfügbarkeit von Trivialmusik, im 4. Satz der "Sonate für Violine und Kammerorchester" zur Fratze verzerrt und vom obligaten Cembalo vorgetragen - das Instrument wirkt in dieser sonst sehr modernen Komposition wie eine anachronistische Reminiszenz an das Barock. An diese Epoche knüpfen auch die "Fünf Fragmente zu Bildern von Hieronymus Bosch" an, wobei Schnittke sich hier die Freiheit nimmt, auf Stilzitate weitgehend zu verzichten. Dafür fügt er zwei Lieder aus der Zeit des Malers ein.
Spivakov spielt in diesen Aufnahmen natürlich die Solovioline, seit 1979 leitet er die Moskauer Virtuosen, ein Kammerorchester, das er gegründet hat und das neben gängigem Repertoire auch gern auf die neueren russischen Komponisten zurückgreift. Das Ensemble bietet in diesen Aufnahmen ein volles, angenehmes und zumeist auch fein aufgelöstes Klangbild. Das "Konzert für Klavier und Streicher", stilistisch zwischen minimalistischen Phasen und Anklängen an das 19. Jahrhundert angesiedelt, liegt dem Ton dieses Ensembles vielleicht am nächsten, und auch der Pianist Alexander Ghindin fügt sich in dieses etwas romantische und durchaus berührende Klangideal ein.

Matthias Reisner, 01.03.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top