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Agostino Steffani

Suites théatrales

Sonatori de la Gioiosa Marca

Divox Antiqua CDX 79811
(64 Min., 9/1998) 1 CD

Kann denn Oper Sünde sein? Es hätte nicht der jüngsten anerkennenden Worte des Papstes über Giuseppe Verdi bedurft, um die Frage herzhaft zu verneinen. Auch Abbate Agostino Steffani hatte schon mehr als ein Dutzend Opernpartituren verfasst, bevor er 1709 päpstlicher Gesandter wurde und nach der Opern- auch noch die Kirchengeschichte Deutschlands prägen durfte.
Schade - sonst gäbe es noch mehr seiner in jedem Takt präzise formulierten Musik, die Händel hörbar beeinflusste und eine ganz eigene Synthese aus französischem und italienischem Stil darstellt. Zwei Instrumentalsuiten löste ein Amsterdamer Verleger schon zu Steffanis Lebzeiten aus seinen Opern heraus; die Experten der Sonatori de la Gioiosa Marca haben diese Suiten mit den Originalpartituren verglichen und noch zwei Ouvertüren als Zugabe geliefert.
Einen gelungenen Querschnitt aus einem Hauptwerk ("Enrico Leone") mit etlichen der auch hier eingespielten Tänze hat zwar schon vor zwölf Jahren die Hannoveraner Capella Agostino Steffani herausgebracht. Aber die neue Aufnahme ist sogar ohne Arien von ansteckender Theatralität. Direkt und füllig ist der historische Ensembleklan, die französisch geprägten Tanzsätze werden rund und körperlich genommen. Beinahe scheint es, als mischten sich die Tritte der Tänzer unter die Schläge des bunt besetzten Schlagwerks. Kein Wunder, dass sich die Produzenten dazu verführen ließen, Donnerblech und Windmaschine höchstpersönlich zu bedienen.
Diese Spezialeffekte hat Steffani übrigens genauso notiert wie den Chor, der bei zwei Ouvertüren unvermutet in den Fugatoteil platzt. Der Mann ist bestimmt für noch mehr Überraschungen gut.

Carsten Niemann, 15.02.2001



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