Dass Marie Luise Neunecker eine hervorragende Hornistin ist, die klassisches und modernes Repertoire gleichermaßen beherrscht, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Ihr Ton ist von großer Strahlkraft und leuchtender Farbe; auch in den virtuosesten Passagen verflüchtigt er sich nicht. Ihre Virtuosität stellt sie sogleich im Konzert des Schweizers Othmar Schoeck unter Beweis, einem hartem Brocken für jeden Hornisten, der paradoxerweise völlig entspannt und heiter klingt - ähnlich den späten Instrumentalkonzerten von Richard Strauss, doch von Schoecks unverwechselbarer Individualität geprägt.
In den Werken von Charles Koechlin und der englischen Komponistin Ethel Smyth gibt sich das Solohorn bei allem technischen Anspruch zurückhaltender, zaubert Atmosphäre eher als Tonkaskaden. Beim Smyth-Stück handelt es sich um ein Doppelkonzert in Brahmsscher Tradition für die ungewöhnliche Kombination von Horn und Violine, Koechlins stimmungsvolles, spätimpressionistisches “Poème” schließlich ist eine Orchesterfassung seiner Hornsonate. Die CD bietet somit einen interessanten Querschnitt durch wenig beackertes Repertoire und dürfte auch Hörern außerhalb von Horn-Expertenzirkeln viel Freude und Genuss bereiten.

Thomas Schulz, 30.04.1998



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