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Matthias Pintscher

Figura I-V, 4 Quartetto d’archi "Ritratto di Gesualdo", Dernier espace avec introspecteur

Teodoro Anzellotti, Arditti Quartet

Winter & Winter/Edel 910 097-2
(78 Min., 2/2000, 7/2000, 10/2000) 1 CD

Ein Gedicht möchte man schreiben oder ein Bild malen beim Hören dieser Töne. Fein, zart, poetisch entfalten sie sich. Sie verändern die Atmosphäre, sie durchdringen den ganzen Raum. Zeitgenössische Musik vermittelt sich häufig nur unzulänglich über das Medium CD. Erst die Atmosphäre des Konzertes, die Unterstützung durch die Aktionen der Musiker setzten die Energien frei, die den Dialog zwischen Hörer und Werk beflügeln. In diesem Fall ist es anders. Die Figuren von Pintscher bekommen im Konzertsaal bisweilen nicht den massiven Sockel, den ihre Vorbilder haben, der ihre filigrane Form stützt. Und die Stücke sind anfällig für Geräusche, Lärm, für schlechte Akustik, schlechte Luft und falsches Licht. Sie brauchen die Ruhe des Betrachters. Da ist das heimische Wohnzimmer ein guter Rahmen.
Mit seinem vierten Streichquartett bezieht Matthias Pintscher sich auf Gesualdo. Sorgfältig hat er die exzentrischen Tonräume des Renaissance-Komponisten studiert und sich darüber in die Psyche des Künstlers vertieft. In einer Art "imaginärem Theater" lässt er die vier Musiker wie Schauspieler agieren.
Teodoro Anzellotti und das Arditti Quartet sprechen Pintschers Sprache, weil sie ihre Instrumente bis in die letzten Winkel kennen. Pintscher sucht nach ihren filigranen scheuen Seiten und lotet sorgfältigst die Proportionen und Klangverhältnisse aus. Das Akkordeon atmet in leiseste Winkel hinein, die Streicher werden auf Wesentliches reduziert. Eine Entdeckung feinsinniger magischer Klangmomente.

Margarete Zander, 20.03.2004



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