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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten Nr. 14, 21, 26, 31

Nelson Freire

Decca/Universal 475 8155
(69 Min., 4/2006) 1 CD

Unter den großen Pianisten der Gegenwart ist Nelson Freire vermutlich derjenige, den man am wenigsten mit den Klavierwerken Beethovens in Verbindung bringt. Das Idol des Brasilianers ist jedoch nach eigenem Eingeständnis seine Landsmännin Guiomar Novaes, und deren lyrisch luzide Beethovensicht hat offenbar auch das Sonatenrecital geprägt, mit dem der 63-Jährige jetzt sein Beethoven-CD-Debüt gibt. Daran, dass Freire immer noch ein begnadeter Pianist ist, lässt die Aufnahme keinen Zweifel: Sechzehntelkaskaden rinnen ihm auch bei rasenden Tempi makellos durch die Finger, Melodien werden mit allem erdenklichen Anschlagsraffinement abgetönt, ohne dass je der Eindruck willkürlicher Effekthascherei entstünde. Ein Beethoven aus der Perspektive von Chopins Nocturnes, der letztlich allerdings doch etwas zu sehr in edler Noblesse verharrt. Das liegt teilweise daran, dass Freires Ton oft zu kunstvoll ist: Statt mit einem kantigen Forte Struktur zu betonen, tuscht er einen Akkord oft als Farbwert wie mit dem Pinsel hin. Gerade den langsamen Sätzen fehlt zudem jene ergreifende Innigkeit der Empfindung, die seit jeher die großen Beethoveninterpreten ausgezeichnet hat. Im Andante Sostenuto der Mondscheinsonate bleibt der Spannungsbogen flach, und der "Klagende Gesang" in op. 110 ist nur eine liebenswürdige Melodie, weil Freire die begleitenden Sechzehntelakkorde sanft wie eine Gitarrenbegleitung anschlägt, statt sie (wie Artur Schnabel) durch stärkere Konturierung und ein leichtes Stocken aufzuladen. Ein Beethoven für Zartbesaitete.

Jörg Königsdorf, 28.04.2007



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