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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Es gibt Opern, die funktionieren nur mit einer Weltklassebesetzung. Alles andere ist inakzeptabel. Amilcare Ponchiellis "La Gioconda" zählt zu diesen Stücken. Die Geschichte kann keiner ernst nehmen. Die Figuren sind Stereotypen von Gut und Böse. Jeder darf einen Ohrwurm singen. Und auch sonst schwallt und schwappt der veristische Melodienrausch so dunkelblutigrot wie ein guter Hauswein: Man trinkt ihn, wenn's gerade nichts besseres gibt. Irgendwie schätzt man ihn sogar. Säuft ihn sich schön: Rausch des Augenblicks. Aber auf Dauer: nein, wirklich nicht. Die Zeiten, in denen Callas oder später Tebaldi, Bumbry, Scotto (mit Tenören wie Corelli, Bergonzi, Domingo, Pavarotti) das Stück rechtfertigten, sind längst vorbei. Warum also "Gioconda"? Als Vehikel für Deborah Voigt, die hier schon deutlich abgeschlankt hat? Vielleicht. Aber die Diva zeigt nichts so sehr wie das Mörderische dieser endlosen Partie. Nach über zwei Stunden harter Arbeit darf sie ihre Arie "Suicidio" singen und dann, nach einem Terzett mit Enzo und Laura, zu guter Letzt noch Koloraturen abperlen. Voigt schafft das. Nicht mehr, nicht weniger. Die übrige Besetzung: brüllender Tenor, falsch intonierender Mezzo, phlegmatischer Bariton, solider Bass. Grandios ist einzig Ewa Podles als La Cieca. Die Produktion ist eine Peinlichkeit.

Jochen Breiholz, 21.04.2007



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