home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Eine Sensation der Verdi-Aufnahmegeschichte, die man sich nicht entgehen lassen sollte: Maria Callas in Bestform, an der Seite eines ebenfalls optimal disponierten Boris Christoff und unter Stabführung von Erich Kleiber, mitgeschnitten 1951 beim Maggio Musicale in Florenz. Das Besondere an der vorliegenden Edition: Erstmals ist ein Privatmitschnitt zu hören, den der EMI-Produzent Walter Legge für sich anfertigen ließ; alle anderen derzeit auf dem Markt befindlichen Versionen dieses Ereignisses basieren auf technisch schlechteren Raubmitschnitten.
Erich Kleibers Dirigat zeichnet sich aus durch ein hohes Maß an Präzision bei der Begleitung der Sänger und außerdem durch eine bestechende Darbietungsintensität, die er mit dem Orchester erreicht: Man höre nur die Tarantella am Ende des zweiten Aktes, die in all ihrer Ausgelassenheit doch von Anfang an die zu erwartenden dramatischen Verwicklungen als dunkle Bedrohung erahnen lässt. Boris Christoff als Procida hat eine seiner Sternstunden in seiner Antrittsszene am Beginn des zweiten Aktes: Die Macht dieser Stimme ist so überwältigend, dass der Hörer die (oft beschriebene und meistens auch hörbare) Eitelkeit des Bulgaren fast zu vergessen bereit ist – besser kann die zwiespältige Figur des Freiheitskämpfers wohl kaum von der ersten Sekunde an charakterisiert werden. Über eine italienische Baritonstimme von sehr edler Qualität verfügte Enzo Mascherini, der dem Publikum des "Maggio Musicale" als Monforte u. a. in seinem Monolog am Beginn des dritten Aktes große Momente bescherte. Giorgio Kokolios-Bardi, den Maria Callas schon aus Athen kannte und in Florenz explizit als Partner erwünschte, blüht im vierten Akt in der Festungsszene mit Maria Callas zu voller dramatischer Größe auf. Und Maria Callas fasziniert vom ersten bis zum letzten Moment durch die metallische Kraft ihrer Stimme, die sie in allen Lagen jederzeit zu schneidender Härte steigern oder zu betörender Zartheit zurücknehmen kann; sie gestaltet Verdis Melodiebögen mit einer seismografischen Sensibilität, die sie jede kleine emotionale Regung sofort erfassen und umsetzen lässt. Das fesselnde Miteinander beträchtlicher Stärke und Standhaftigkeit sowie höchster Verwundbarkeit und Leidensfähigkeit prägen ihr überzeugendes Porträt der Elena.

Michael Wersin, 04.01.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top