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Anton Eberl

Klaviertrios op. 8

Playel-Trio St. Petersburg

Christophorus/Note 1 CD CHR 77237
(77 Min., 10/2000) 1 CD

Lange Zeit begegnete man Anton Franz Josef Eberl nur Undercover - unter dem Namen seines neun Jahre älteren zeitweiligen Lehrers Wolfgang Amadeus Mozart. Tatsächlich wurden bereits zu Mozarts Lebzeiten Kompositionen Eberls als authentischer Mozart verkauft; dass viele dem Etikett vertrauten, lässt möglicherweise auf ihre Gutgläubigkeit schließen, verweist aber vor allem auf die Qualität von Eberls musikalischen Schöpfungen.
Die spürt man auch hier, bei seinen 1798 in Wien verfassten drei Klaviertrios op. 8, die sich zwar auf den ersten Blick klassisch gebärden - zumal im formalen Aufbau, zuweilen aber auch in ihrem harmonischen und melodischen Duktus -, mit zahlreichen ihrer Ideen aber auch weit über das Klassische hinauszielen. Plötzliche Brüche hört man da ebenso wie weitläufig und selbstvergessen ausgesponnene gedankliche Eskapaden. Eberl, spürt man, ist seinem Wesen nach sowohl Stürmer und Dränger als auch Vor- bzw. Frühromantiker, keineswegs jedoch ein in gesetzten Vorgaben und Traditionen befestigter und diese selbst befestigender Komponist.
Leider ist die Einspielung durch das russisch besetzte und mit historischen Instrumenten bestückte Playel-Trio nicht so schön wie die Musik. Wohl ist Jurij Martynow ein sicherer und genauer Akteur am Hammerklavier, und Dmitri Sokolow ist ein Cellist nicht nur mit gestalterischen Ideen, sondern vor allem mit jenen integrativen Fähigkeiten, die ein Klaviertrio notwendig braucht, damit hier das klanglich so Auseinanderstrebende zumindest immer wieder einmal zusammen kommt. Eben über diese Qualitäten verfügt der Geiger Sergej Fitschenko hingegen nicht - weshalb es denn auch vor allem seinem intonationsgefährdeten, oft forcierten und sehr spirrig wirkenden Ton anzulasten ist, wenn sich das wahre Glück bei diesen an sich lobenswerten Bemühungen um den lange vergessenen Anton Eberl so recht nicht einstellen will.

Susanne Benda, 03.05.2001



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