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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Philipp Heinrich Erlebach

Ouvertüren und Sonaten

Berliner Barock-Compagney

Capriccio/Delta music 67 074
(64 Min., 6/2002) 1 CD

Dass in Europa alle Fürsten des 17. Jahrhunderts einem großen Vorbild nacheiferten, ist ein Gemeinplatz. Auch Albert Anton von Schwarzburg-Rudolstadt wird als fernes und unerreichbares Ideal den “Sonnenkönig” Ludwig XIV. von Frankreich gehabt haben, zumindest, was seinen Musikgeschmack anging. Und der war, wie sich auf dieser bemerkenswerten CD zeigt, alles andere als provinziell. In seiner thüringischen Residenz Rudolstadt wirkte ganze 35 Jahre lang ein heute fast vergessener Meister: Philipp Heinrich Erlebach (1657-1714), und der hatte als großes und unüberhörbares Vorbild den Hofkomponisten Ludwigs, Jean-Baptiste Lully.
Das Vorbild ist also präsent, in zahlreichen Wendungen, die manchmal freilich einfach formelhaft und zeittypisch für den französischen Orchesterstil sind, aber das Bemerkenswerte ist, dass Erlebach keine plumpem Kopien fertigt. Überhaupt wäre plump das genaue Gegenteil seines Stils, denn hier spricht uns eine beschwingte Eleganz an, die man bei so manchem Kleinmeister des Barock vergeblich sucht. So zeigt allein seine Themen- und Melodiefindung den eigenständigen und fruchtbaren Kopf, der es ihm erlaubt, gefällig und doch geistreich zu komponieren, sodass der Zuhörer im ersten Moment bewegt und im zweiten Moment nicht gelangweilt, sondern weiter interessiert wird.
Zwei "Ouvertüren" und zwei "Sonaten" in Form fünf- bis achtsätziger Suiten sind auf dieser CD enthalten, und zur Vermittlung von Erlebachs elegantem Stil tut die Berliner Barock-Compagney ein Übriges. Auf alten oder nachgebauten Instrumenten spielend erreichen die acht Musiker einen vollkommen angemessenen Klang, der nicht wie bei vielen anderen "Originalklang"-Ensembles durch schneidende Schärfe, sondern durch einen angenehmen Reichtum der Obertöne (und damit der Klangfarben) gekennzeichnet ist. Abwechslungsreich gestaltet die Compagney die Charaktere der Sätze, vom Lyrischen bis zum repräsentativen Gestus der Musik, der für das Zeitalter so typisch ist.

Matthias Reisner, 13.03.2004



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin. Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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