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Antonio Caldara

Kantaten

Max Emanuel Cencic, Ornamente 99, Karsten Erik Ose

Capriccio/Delta 67 124
(62 Min., 10/2004) 1 CD

Muss man als Barockfreund den Namen Antonio Caldaras (1671-1736) kennen? Mittlerweile ja - und den des Countertenors Max Emanuel Cencic sowieso. Den kaiserlichen Hofkapellmeister haben aufsehenerregende, neue Einspielungen wie die seiner Missa dolorosa durch Thomas Hengelbrock, aber auch die feinsinnig-belebten Erstaufnahmen einiger Kantaten mit Monique Zanetti und Pascal Bertin (Pan Classics 10139) ins Bewusstsein vieler interessierter CD-Hörer katapultiert. Cencic wiederum hat im Mai 2003 mit der Veröffentlichung seines Domenico-Scarlatti-Albums seine weitgespannte und herrlich ausgeglichene Countertenorstimmen, die man getrost zu den interessantesten der Gegenwart zählen darf, auch außerhalb von Konzertsaal und Bühne vernehmlich erhoben.
Wer bei seiner neuesten CD allerdings auf sensationelle Synergieeffekte hoffte, wird eher enttäuscht sein: Caldara und Cencic bleiben im Rahmen ihrer Möglichkeiten, auch wenn diese beachtlich bleiben. So fordern Caldaras Melodien den Vergleich zu denen des berühmteren Händel heraus (der seine Kantaten ebenso wie Caldara für den römischen Fürsten Ruspoli schrieb), bleiben aber dabei eine Spur konservativer und instrumentaler. Cencic gleicht dieses Manko kaum aus: Die Kraft zur inneren Versenkung und die Nuancierungskunst, mit der sein Kollege Andreas Scholl kürzlich sogar geringere Petitessen römischer Kantatenkunst adelte, bringt er nicht auf. Überaus überzeugend wirkt Cencic dagegen im direkten Wettstreit mit den Instrumentalstimmen - egal, ob es sich um den zarten Einsatz einer Solovioline oder um die kullernden Läufe des Fagotts handelt. Und es zahlt sich aus, die Wahrnehmung zwischen Gesang und Instrumentalstimmen schweifen zu lassen, denn letztere sind mit verschiedenen Blockflöten, Fagott, Solovioline und sogar Chalumeau sehr farbig besetzt und werden vom Ensemble Ornamente 99 frisch und packend in Szene gesetzt.

Carsten Niemann, 29.01.2005



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