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Antonio Casimir Cartellieri

Gioas, Re di Giuda

Thomas Quasthoff, Gesa Hoppe u.a., Bachchor Gütersloh, Detmolder Kammerorchester, Gernot Schmalfuß

MDG Gold/Naxos 338 0748-2
(96 Min., 12/1996) 2 CDs

Als 1994 der Freiburger Kammerchor die Ausgrabung des auch musikwissenschaftlich umtriebigen Freiburger Klarinetten-Professors Dieter Klöcker als Wiederentdeckung präsentierte, erwies sich das Stück als gefeierter Publikumsrenner: “Gioas, Re di Giuda” des Beethoven-Zeitgenossen Antonio Casimir Cartellieri (1772-1807), der zeitweilig Kapellmeister am Hofe des Fürsten Lobkowitz war, ist ein meisterliches Oratorium aus der Spätzeit der Klassik, das mit seinen kühnen harmonischen Wendungen und vielen ausgefallenen klangfarblichen Wirkungen deutlich schon Züge der Frühromantik in sich trägt.
Der Verdacht des allzu Provinziellen, mit dem man dieser Aufnahme des Stücks zunächst begegnen mag, erweist sich beim näheren Zuhören als unbegründet: Nicht nur die Solisten (Katharina Kammerloher als Gioas, Hugo Mallet als Ismaele und Thomas Quasthoff als Giojada) schlagen sich gut bis sehr gut durch die mit viel Empfindsamkeit gefüllten Arien - auch das Detmolder Kammerorchester, das sich im Beiheft als Nachfolge-Ensemble des Kammerorchesters Tibor Varga enttarnt, gelangt unter Gernot Schmalfuß’ Leitung zu effektvollen dramatischen Aktionen und zu fein ausgehörten lichten Piani. Die Musik Cartellieris, so beweist diese Einspielung, lohnt die Beschäftigung - wie wäre es zum Beispiel mit seinen ebenfalls kaum bekannten Konzerten?

Susanne Benda, 31.05.1997



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