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Emilio de' Cavalieri

Rappresentazione di anima et di corpo

Johannette Zomer, Marco Beasley, Jan van Elsacker, Dominique Visse u. a., L'Arpeggiata, Christina Pluhar

Alpha/Note 1 ALP065
(82 Min., 8/2004)

Ist es nun ein Oratorium? Oder eine religiös imprägnierte Oper? Der eindeutige Schlussstrich unter die "Rappresentazione di anima et di corpo" von Emilio de' Cavalieri ist zwar noch nicht ganz gezogen. 405 Jahre nach der ersten Aufführung in der Geburtsstadt des Komponisten, in Rom. Auch wenn es für beide Gattungen genügend Argumente gibt, so ist es nicht nur ein Meisterwerk, was die Tiefenkraft des Recitar Cantando, der monodisch angelegten Kantabilität und des Instrumentalsatzes mit seinen Bläser-Fanfaren angeht. Unüberhörbar wirft diese Lobpreisung der reinen Seele seinen Schatten auf das, was sich nur wenige Jahre später im hohen Norden Italiens ereignen sollte - in den Opern und Madrigalbüchern Monteverdis. Immerhin gehörte Cavalieri zwölf Jahre lang als Musikdirektor der Florentiner Camerata an.
Auch wenn die "Rappresentazione di anima et di corpo" ganz den Geist der Gegenreformation in sich trägt, in diesem Dialog zwischen Leib und Seele, zwischen Höllenfahrt und Himmelsglück, fehlt es zumindest der sensationellen Einspielung durch das Alte-Musik-Ensemble L'Arpeggiata an Büßerschwere und palastrinaesk-deklamatorischem Ernst. Im Gegenteil. Mit einer mitreißenden Audrucksgestaltung navigiert Dirigentin Christina Pluhar ihr Ensemble vom Lamento zum glanzvollen Chor-Bekenntnis, fühlt man sich fast wie in Hieronymus Boschs "Weltgerichts"-Welt hineingezogen, wenn sich plötzlich unter knarrenden Dulcimer-Klängen das Höllentor auftut und die Verdammten schauerlich ächzen und stöhnen. Und auch die irdischen Verlockungen kommen schlicht aufreizend keck daher (mit gewohnt brillanter Entertainer-Haltung: Countertenor Dominique Visse). Eigentlicher Glücksfall sind jedoch die personifizierten Titelfiguren. Verkörpert Johannette Zomer mit ihrem makellosen Sopran den "Geist" und damit Unantastbarkeit, schwingt im "Körper" von Marco Beasley immer auch eine Saite der traditionellen Volksmusik Italiens mit. Dass Beasley sich mit seiner oftmals an den Barden Angelo Branduardi erinnernden Geschmeidigkeit und Sanftmut auf dem richtigen Weg befindet, ist natürlich keine Frage. Nur: bei ihm ist der Himmel auf Erden zu finden.

Guido Fischer, 05.03.2005



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