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Luigi Cherubini

Les deux journées

Yann Beuron, Mireille Delunsch, Andreas Schmidt, Kwangchul Youn u.a., Chorus Musicus Köln, Das Neue Orchester, Christoph Spering

Opus 111/Harmonia Mundi OP 30306
(78 Min., 5/2001) 1 CD

Das im Jahre 1800 uraufgeführte Singspiel "Les deux journées" von Luigi Cherubini ist in Deutschland unter dem Namen "Der Wasserträger" bekannt geworden. Doch was heißt schon bekannt? Heute kennen Opernliebhaber meist nur seine "Médée" und das auch nur deshalb, weil Maria Callas der Titelrolle ihren Stempel aufdrückte. Cherubini-Fans sind also in Wirklichkeit meist Callas-Fans, die sich keinen Deut um die vielen anderen Werke des Meisters scheren, die über nicht so herausstechende Titelpartien verfügen.
Nun aber hat sich Christoph Spering des "Wasserträgers" angenommen: Es ist ein Stück napoleonischer Sozialromantik: Der vom Kardinal Mazarin verfolgte Parlamentspräsident Armand wird von einem Wasserträger, also einem Angehörigen der untersten sozialen Schicht, gerettet. Die Gutmenschen-Rhethorik des Stücks ist leichter zu ertragen, wenn man daran denkt, dass nur zehn Jahre vor der Uraufführung die Leichen der Aristokraten an den Laternen baumelten.
Spering ist es nun gelungen, diese mehr durchscheinende als brutal gezeigte Aktualität erlebbar zu machen: Für Fans "historisch informierter" Orchesterkultur dürfte sein Plädoyer für Cherubini deswegen mindestens so sensationell wirken wie die singende Fürsprache der Callas. Die Primadonna assoluta der Aufnahme ist das Orchester, was die Leistungen aus der geschlossenen Riege stimmlich überzeugender und intelligent deklamierender Sänger nicht schmälern soll. Es singt, es erzählt, es dräut und es malt mit einer Transparenz und einer Detailfülle, wie sie nur demjenigen gelingen kann, für den Cherubini kein Beethoven-Vorläufer und kein Vehikel zu sängerischer Selbstdarstellung ist, sondern ein Komponist mit einem ununterscheidbaren eigenen Ausdruckswillen.
Mit Lust darf man wahrnehmen, wie zum angenehmen Gesang auf freundlich-regelmäßig gebaute Verszeilen eine Fülle von orchestralen Details tritt. Der verpasst etwas, der nicht stets auf zwei Stimmen gleichzeitig achtet: Elegante und geschmeidige Hörner gibt es zu bestaunen, facettenreiche Fagottklänge, feurig kommentierende hohe Streicher, sprechende Bratschen und Pizzicati, die so ausdrucksstark wirken, wie jede andere Streichertechnik auch.
Und plötzlich beginnt man ein Zeitalter besser zu verstehen, das sich seine Seele auf dezent farbenreich klingenden Hammerklavieren herausschrie, das sich nach einer heilen Gesellschaft sehnte und Grausamkeiten in bunten napoleonischen Uniformen beging.

Carsten Niemann, 15.08.2002



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