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George Crumb

Music For A Summer Evening, A Little Suite For Christmas u.a.

Ensemble New Art

Col legno/Helikon WWE 20023
(61 Min., 1/1995, 3/1995) 1 CD

Es sind außerordentlich exotische und faszinierende Klänge, die George Crumb in seiner "Music For A Summer Evening” wie ein geübter Alchemist vor uns ausbreitet. In diesem trügerisch harmlos betitelten, 1974 komponierten Werk für zwei Klaviere und Schlagzeug beleuchtet der siebzigjährige Amerikaner die "Beziehung zwischen der Innenwelt des Menschen und dem Weltall”, wie der Beihefttext informiert. Doch mag sich zu Crumbs opulentem Klanggemälde jeder Hörer seine eigenen Bilder vorstellen. Das wäre legitim und auch ganz im Sinne des Komponisten, dem Abstraktion und Konstruktivismus um ihrer selbst willen fremd sind und der bekannte: "Ich hatte immer schon ein Quäntchen Romantizismus im Blut.”
So dienen die mannigfachen ungewöhnlichen Instrumentalkombinationen und Spieltechniken, die in "Summer Evening” ihre Anwendung finden, eindeutig atmosphärischen Zwecken. Die Schlagzeuger bedienen über siebzig Instrumente vom Vibrafon bis herunter zum Eselsknochen und die Pianisten drücken nicht nur die Tasten, sondern zupfen auch die Saiten, produzieren Flageolett, ja ab und zu pfeifen, singen und rufen sie auch, was dann aber schon ein wenig nach Geisterbahn klingt.
Von der Grundstimmung her gemahnen Crumbs Werke an Bartóks Nachtmusiken, und Bartók ist es auch, der, gemeinsam mit Messiaen, eindeutig, gelegentlich fast überdeutlich, die musikalische Inspiration bildet. Nicht die rein klangliche Inspiration, wohlgemerkt, denn die ist Crumbs ureigene und auch seine größte Errungenschaft.

Thomas Schulz, 13.03.2000



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