Responsive image
John Jenkins

Fantasias and Airs

The Locke Consort

Channel/Harmonia Mundi CCS SA 17602
(73 Min., 10/2001) 1 CD

Weltliche Machthaber waren neben der Kirche lange Zeit wichtige Arbeitgeber für Musiker und Initiatoren zahlloser Kompositionen. Selber mehr oder weniger kulturell bewandert, konnten sie entweder Inspirations- oder Verzweiflungsquell für Künstler sein.
Eher zur letzteren Gruppe gehörte wohl Karl II., Prinz von Wales: Er verabscheute Musik, zu der er nicht den Takt schlagen konnte. Dies könnte der Grund dafür sein, dass John Jenkins' letzte Sammlung von "Fantasia-Suiten", die auf dieser CD zu hören ist, nur noch zwei- statt ehemals dreisätzige Stücke enthält, deren kontrapunktische Struktur zudem gegenüber früheren Kompositionen klarer und einfacher gestaltet ist. Sollte Karls II. Neigung tatsächlich für diese Veränderung verantwortlich sein, so hat er - sicher ungewollt - auch noch die Musikgeschichte vorwärts gebracht: Die neuartige Faktur weist schon auf die Triosonate voraus.
Die vier Instrumentalisten des Locke Consort widmen sich liebevoll und engagiert den fünfzehn Fantasia-Air-Paaren für zwei Violinen, eine Gambe und eine Theorbe, und es gelingt ihnen, den Reiz und die Schönheit dieser Musik adäquat und überzeugend hörbar zu machen. Die Stücke selbst spiegeln die Erfahrung und Souveränität ihres Schöpfers wider: Er war bereits achtundsechzig Jahre alt, als er in die Dienste von Karl II. trat, und hatte diesen Posten bis an sein Lebensende - er wurde siebenundachtzig - inne, wobei es sich wohl zuletzt nur noch um einen Ehrentitel handelte.
Schade, so denkt man, dass heutige Politiker häufig lieber zu anderer Musik den Takt klopfen. Angesichts der Tatsache, dass sogar ein Banause wie Karl II. Anlass für so schöne Musik gewesen ist, wird das künstlerische Rahmenprogramm so mancher Parteitage vollends zur Groteske.

Michael Wersin, 27.06.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Zwei geniale Geiger auf einer CD vereint, die die Welt der Klassik und die des Jazz miteinander verbinden, als wäre es das natürlichste der Welt. Einfach toll! Stéphane Grappelli, der französische Geigenvirtuose, weitgehend Autodidakt, aber übersprudelnd vor musikalischen Ideen traf 1973 erstmals auf den acht Jahre jüngeren Yehudi Menuhin, ehemals Wunderkind und damals längst Geigen-Legende. Grappelli hatte mit dem Quintette du Hot Club de France die Clubs aufgemischt, Menuhin die […] mehr »


Top