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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Ludwig van Beethoven

"Razumovsky" Quartets VII, VIII und IX (Op. 59, Nr. 1-3)

Tokyo String Quartet

Harmonia Mundi HMU 807423.24
(107 Min., 4/2005) 2 CDs

Er war sicherlich einer der schlechtesten und undankbarsten Schüler, die man haben kann. Gelernt hat er bei seinen Lehrern offenbar nichts, und er hat sie in seinen eigenen Werken dann so haushoch übertroffen, dass man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann, er sei bei Albrechtsberger oder Salieri in die Lehre gegangen. Vielleicht hat der junge Ludwig van Beethoven ja auch nur karrierefördernde Kontakte gesucht oder Referenzen, weshalb ja noch heute junge Talente teure Meisterkurse belegen. Am weitesten entfernt sich Beethoven von seinen Lehrern und Kollegen - Haydn und Mozart einmal ausgenommen - wohl in den Streichquartetten. Und er kommt, trotz der relativ gezügelten emotionalen Impulse, wohl auch sich selbst sehr nahe, vielleicht näher noch als in seinen Klaviersonaten. Was für die ausübenden Musiker natürlich bedeutet: Es gibt kaum Orientierungshilfen, wenn man zum Kern seiner Quartette vorstoßen will, wenn man sie nicht nur mehr oder weniger brillant und gefühlvoll abliefern will. Während sich Beethoven in den vorangegangenen Quartetten op. 18 noch neugierig und beharrlich in die Gattung vorbereitete und zumindest noch mit einem Fuß im 18.Jahrhundert stand, begegnen wir 27 Jahre später in den op. 59, dem Fürsten Razumowski gewidmeten drei Streichquartetten, einem nicht nur durch Taubheit und Misanthropie verwandelten, neuen Beethoven. Einerseits auch musikalisch in sich gekehrt, extrem konzentriert, andererseits mit weitsichtiger Geste ins kommende Jahrhundert ausgreifend. Das Tokyo String Quartet bleibt da bisweilen, besonders im C-Dur-Quartett, doch etwas zurückhaltend. Als wolle es von vornherein jeder Gefahr ausweichen, klingende Ideengeschichte zu unterrichten, zieht es sich ganz auf die Partitur zurück, sucht in klanglicher Perfektion und stringentem Verlauf das Werk als künstlerisches Einzelphänomen zu behaupten. Das geht natürlich auch.

Helmut Mauró, 04.02.2006



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