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Jacobus de Kerle

Da pacem Domine

Huelgas Ensemble, Paul Van Nevel

harmonia mundi HMC 901866
(66 Min., 7/2004) 1 CD

Eine Huelgas-Veröffentlichung jagt die nächste: Erst kürzlich hatten wir die Ferrabosco-CD (eingespielt zwei Monate nach der vorliegenden) auf dem Tisch, nun kommt mit einem Jacobus-de-Kerle-Porträt schon wieder eine hinsichtlich des Programms sehr interessantes Produkt desselben Ensembles auf den Markt. Das Erfreuliche: Van Nevel, der immer gern mit dem musikalischen Material experimentiert, entschied sich im Falle de Kerles für eine rein vokale Besetzung (während er sonst oft einzelne Partien Instrumenten überträgt); auch verzichtete er, soweit sich dies ohne den Notentext in der Hand ermitteln ließ, auf "Bearbeitungen" desselben, die andere seiner Aufnahmen gelegentlich etwas abenteuerlich erscheinen lassen. Reine Vokalkultur prägt also diese CD, reine Vokalkultur auf hohem, wenn auch nicht auf allerhöchstem Niveau: Die Tallis Scholars in ihrer Glanzzeit bzw. in unseren Tagen Ensembles wie The Clerk’s Group oder The Cardinall’s Musick erreichen im Schnitt ein noch höheres Maß an klanglicher Kongruenz und intonatorischer Sauberkeit.
Hinsichtlich der Werkauswahl überrascht die nur auszugsweise Repräsentation der Messzyklen: Von der Missa Da pacem Domine wurden nur "Credo" und "Agnus Dei" eingespielt, vom Requiem nur "Introitus", "Sequenz" und "Libera me", und die beiden Agnus-Dei-Sätze über das Hexachordum naturale entstammen sicher auch kompletten Messzyklen; freilich, auf diese Weise konnten mehr Werke vorgestellt werden, und es blieb Raum für die Aufnahme einiger motettischer und einer madrigalischen Kompositionen, aber in der Regel hat man strukturell bzw. substantiell zusammengehörige Messkompositionen doch gerne als Ganzes. So ist diese CD also eine Stippvisite bei einem im Schallplattenkatalog vergleichsweise sehr gering repräsentierten Komponisten des 16. Jahrhunderts und kann vor diesem Hintergrund als Anstoß zur Beschäftigung mit dessen Werken gewertet werden; vielleicht werden ja andere Ensembles auf diesem Wege dazu angeregt, de Kerle in ihre Programme aufzunehmen: Lohnen würde es sich, wie man hört.

Michael Wersin, 04.03.2006



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