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Alphons Diepenbrock

Orchesterwerke und sinfonische Lieder

Residenz Orchester Den Haag, Hans Vonk

Brilliant Classics/Foreign Music MMK93412
(131 Min., 1989, 1990) 2 CDs

Erstaunlich, dass sich bis heute kaum ein Dirigent für die Orchesterlieder von Alphons Diepenbrock erwärmen kann. Denn dessen groß angelegte Tongemälde auf Hölderlin, Novalis und Nietzsche sind eigentlich genau aus dem Stoff, den die großen Maestri lieben: Spätromantik in vollster, vielfarbig schillernder Blüte, die jedoch (anders als bei vielen zweitklassigen Wagnerepigonen) nie im atmosphärischen Ungefähr verwuchert. Einfacher gesagt: Wer Mahler und Strauss mag, mag auch die Musik des 1862 geborenen Niederländers. Dass Diepenbrock ein Geheimtipp geblieben ist (obwohl beispielsweise sein Nietzschelied "Im großen Schweigen" die ideale Programmergänzung zu Strauss’ "Zarathustra" abgäbe), liegt vielleicht daran, dass seiner Musik bei aller passagenweisen Opulenz ein Zug ins Melancholische anhaftet – selbst bei seinen Schauspielmusiken zu "Marsyas" und "Elektra" verweilt er lieber bei fein verschatteten Idyllen als bei dramatischen Kulminationen. Vielleicht auch deshalb ist das große Orchesterlied Diepenbrocks eigentliche Domäne – für den sich am eigenen Leid berauschenden Gestus der Vorlagen findet er genau die rechten Seelentöne zwischen Aufbegehren und schmerzvoller Resignation. Mit den 1989/90 entstandenen, erstklassig aufgenommenen Einspielungen hat Billiglabel Brilliant Classics einen echten Fang gemacht: Unter Hans Vonk zeigt das Den Haager Orchester kühle Klangpracht, mit Linda Finnie, Robert Holl und Christoph Hombert sind die Solopartien adäquat besetzt.

Jörg Königsdorf, 05.08.2007



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