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Ludwig van Beethoven

Klaviersonaten f-Moll op. 57 "Appassionata", cis-Moll op. 27 Nr. 2 "Mondschein", F-Dur op. 54, D-Dur op. 10 Nr. 3

Nikolai Lugansky

Warner Classics 2564 62300-2
(77 Min., 2/2005) 1 CD

Das ist so eine der CDs, von denen der Kritiker beim Auspacken denkt: War das denn nötig? Man hat doch schon x Aufnahmen von diesen Werken im Regal stehen. Noch eine Platte mit "Appassionata" und "Pathétique"? Hat denn jemand mal gezählt, in wie vielen Aufnahmen diese Dinger schon erhältlich sind? Andererseits: Man kann es den Leuten ja nicht verbieten. Und überhaupt - im Grunde ist es sogar völlig richtig so, denn jede Interpretengeneration und jeder Interpret muss sich seine Klassiker, seinen Beethoven wieder selbst erschaffen. Musik, auch wenn sie mittlerweile seit gut hundert Jahren konserviert werden kann, ist kein Museum, sie entsteht und lebt in den Köpfen. Schauen wir uns also Nikolai Luganskys Beethoven an.
Lugansky hat sich mit Aufnahmen von Rachmaninow und Prokofjew bislang vor allem dem russischen Repertoire gewidmet und ferner einige Chopin-Einspielungen geliefert. Und es ist sicher weder falsch noch ehrenrührig, wenn man behauptet, dass auch seinem Beethoven etwas von der russischen Klavierschule anhaftet. Das Allegro assai - Più allegro, der erste Satz der "Appassionata", spricht hierfür durch bestechend brillante und klare Virtuosität - ohne übertriebene Romantisierung, ja eher mit Strenge und Geradlinigkeit, aber nie ohne Wärme im Gesamteindruck. Hier wird nichts in Sturm-Manier verwischt, sondern jede Note kommt funkelnd wie in einem Petersburger Kristalllüster heraus und fügt sich in ein durchdachtes Konzept.
Aber um es deutlich zu machen: Der 1972 geborene Russe ist kein pianistischer Selbstgänger, wie sie immer wieder auf den Konzertpodien - und gerade auf den größten - auftauchen. Es geht ihm hörbar nicht um Selbstdarstellung, sondern um die Musik, die, obwohl bekannt und oft gehört, durch ihn wieder ihr Eigenleben bekommt. Etwa in den beiden nicht mit Namen versehenen Sonaten wie der intimeren, zweisätzigen Sonate op. 54. Hier spielt Lugansky den exzentrischen zweiten Satz so lebendig, so kontrastierend und akzentuiert, dass es wirklich schade wäre, wenn es hiervon keine Aufnahme gäbe.

Matthias Reisner, 21.04.2006



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