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Sigismondo d'India u. a.

Madrigali e Canzonette

Maria Cristina Kiehr, Concerto Soave, Jean-Marc Aymes

harmonia mundi HMC 901774
(65 Min., 10/2001) 1 CD

Sind Sie schon einmal vom Gesang einer Nachtigall verzaubert worden? Ich spreche von einer richtigen Nachtigall - denn als Nachtigallen sind schon die unterschiedlichsten Sopranistinnen bezeichnet worden, auch wenn sie mit dem Singvogel wenig verbindet. María Cristina Kiehr aber ist eine wahre Philomele: mit ihren rollenden Trillern, ihren nach Vogelart locker und zerstäubend in die Luft geträllerten Tonwiederholungen und dem hauchzartbitteren Hautgout ihres feine Silberfäden spinnenden Soprans. Nun hat sie Madrigale und Canzonetten eines der wichtigsten Monteverdi-Zeitgenossen eingespielt: Stücke, die uns zwar nicht alle mit dem gleichen dramatischen Impetus anspringen wie die des ersten großen Opernmeisters, die aber nicht weniger Raffinement verraten als viele von Monteverdis besten Schöpfungen. Immer lässt Kiehr eine letzte noble Distanz zu den Figuren verspüren, auch dort, wo sie eine kraftvolle Selbstmörderin wie die verlassene Königin Dido verkörpert. Doch damit lenkt sie das Ohr auf die manieristischen harmonischen Überraschungen und ausnotierten Verzierungen, die d'India in der weicheren Melodik angebracht hat. Klug dazu ausgewählt sind die Instrumentalstücke von Giovanni-Maria Trabaci und Guillaume de Macque: harmonische Labyrinthe, wie sie sonst nur der legendäre Gesualdo entworfen hat und die in der virtuos intonierten mitteltönigen Stimmung so aufregend klingen, wie sie gemeint sind.

Carsten Niemann, 15.03.2003



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