Responsive image
Ignacio Figueredo, Heraclio Fernández, Antonio Lauro, Vicente Emilio Sojo

El Diablo Suelto - Gitarrenmusik aus Venezuela

John Williams, Alfonso Montes

Sony CD 90451
(60 Min., 5/2003) 1 CD

Von allen klassischen Instrumenten ist die Gitarre wohl das toleranteste, was den Unterschied zwischen E- und U-, Popular- und Kunstmusik, ja sogar ethnischen und übernationalen Idiomen anbelangt. Diese CD ist ein schöner Beweis dafür. John Williams hat sich die Gitarrentradition Venezuelas vorgenommen, eine Tradition, die dem 12-Jährigen bereits vor über 50 Jahren in der Gestalt von Alirio Díaz, Gitarrenlegende und selbst wiederum Schüler des "Vaters der venezolanischen Gitarre", Raúl Borges, begegnet war. In den Stücken, die dieser Alirio Díaz im Laufe seines Lebens spielte und edierte, mischen sich die starken rhythmischen Impulse der ursprünglich akkordlosen Indiomusik, die komplexen Metren, welche die afrikanischen Sklaven auf den neuen Kontinent brachten sowie sakrale Traditionen der christlichen Spanier mit den Formen der Unterhaltungsmusik des 19. Jahrhunderts. John Williams gestaltet dies alles mit einer wunderbar natürlichen Delikatesse: Man genieße diese Musik mit Freunden zu Tapas (oder was immer man in Venezuela essen mag) und Wein und sie wird eine würzige Kneipenatmosphäre beschwören, ohne dass man ihr damit Gewalt antut. Oder aber man höre sie aufmerksam allein und sie wird die Aufmerksamkeit bis zum letzten Track auf sich ziehen: Von den venezolanischen Walzern, deren Rhythmus so schön exotisch gegen den europäischen Schwooftrott anstichelt, über melancholische Gebete, fiebrige Ständchen, aufgeschnappte Operettenmelodien (die Williams mit seinem feinen Gespür für Sangliches besonders eindringlich gelingen) bis hin zu übermütigen Duetten mit der viersaitigen venezolanischen Gitarre des "eingeborenen" Mitschülers Alfonso Montes.

Carsten Niemann, 08.11.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Erstens kommt es anders: Die Vielzahl der Initiativen klassischer Musik, die gerade auf die in selbstgewählter Isolation befindlichen Freunde dieser Musik einstürmt, ist enorm. Wäre die Lage der meisten freien Musikerinnen und Musiker nicht so verzweifelt angesichts der Veranstaltungsabsagen, könnte man sich ungetrübt über die Frische und Begeisterung freuen, die da zutage tritt. Auch das RONDO ist nicht unverschont geblieben – da Einzelhandel und Bibliotheken geschlossen sind, wollen […] mehr »


Top