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Joseph-Hector Fiocco

Missa Solemnis in D, Ave Maria, Homo Quidam

Greta de Reyghere u.a., Capella Brugensis, Collegium Instrumentale Brugense, Patrick Peire

Naxos 8.55 7120
(61 Min., 1/2001, 3/2002) 1 CD

"Suche dir ein Vorbild", so lautet ein alter Rat an junge Komponisten, "und versuche es nachzuahmen. Hast du Talent, wirst du es erreichen, bist du ein Genie, wirst du es übertreffen". Ein Genie war der in Brüssel geborene Joseph-Hector Fiocco (1703-1741) demnach vielleicht nicht, aber immerhin gelang es ihm, in seinen Kompositionen mehrere Vorbilder gleichzeitig zu erreichen: Den rhythmischen Impetus von Lully, die feine melodische Eleganz von Charpentier und Händels Mischung aktueller italienischer Einflüsse mit traditionellem kernigen nordeuropäischen Kontrapunkt. Zusammen mit den wirkungsvoll eingesetzten Trompeten ergibt das etwa in der Messe einen Barock-Blend von großem Charme und feierlicher Eindringlichkeit. Patrick Peire und die von ihm gegründeten bzw. geformten Ensembles haben einen äußerst frischen und trotz modernen Instrumentariums stilsicher wirkenden Interpretationsansatz gefunden - eine Lesart, die unter der Vielzahl der galant italienischen und variationsreich französischen Artikulationsnuancen nicht an herzhaftem Zug verliert. Die Solisten sind allesamt versiert, wobei die Stimmfärbung des Altus und die nicht völlig offene Höhen von Greta de Reyghere bisweilen für einen leichten Haut-gout sorgen. Kämen jetzt noch ein wenig mehr dynamische und klangliche Tiefenschärfe im Chor hinzu, könnten uns die Ausführenden glatt davon überzeugen, dass in dem angenehmen und rührenden Fiocco vielleicht doch der göttliche Funke des Genies leuchtete.

Carsten Niemann, 27.09.2003



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