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Wilhelm Furtwängler

Sinfonie Nr. 3 cis-Moll

Staatskapelle Weimar, George Alexander Albrecht

Arte Nova 7 43217 21032 8
(65 Min., 11/1998) 1 CD

Schon bei Strauss' "Vier letzten Liedern" (1949) wundert man sich, wie weit die Spätromantik noch ins 20. Jahrhundert ausstrahlt. Mit Wilhelm Furtwänglers Kompositionen nehmen wir ihr letztes Verdämmern wahr. Furtwängler war vermutlich der folgenreichste Dirigent dieses Jahrhunderts. Welche Musikerautobiografie man auch aufschlägt, seitenlange Huldigungen wird man fast immer finden.
Doch wer spricht von Furtwängler, dem Komponisten? 1946 schrieb er seinem Jugendfreund Ludwig Curtius: "In Wirklichkeit war das Dirigieren das Dach, unter das ich mich im Leben geflüchtet habe, weil ich im Begriff war, als Komponist zugrunde zu gehen." Von dieser tiefen Resignation, dem Gefühl, sein Bestes nicht aussprechen zu können, ist auch seine dritte und letzte Sinfonie durchdrungen.
Der Weimarer GMD George Alexander Albrecht, Präsident der Wilhelm-Furtwängler-Gesamtausgabe, hat sich dieser spätromantischen, grüblerischen Musik gewidmet, die genug Eigenes in die überkommenen Formen zu legen hat, als dass wir dauernd an die alten Meister denken müssten. Das Adagio mit dem bezeichnenden Untertitel "Jenseits" mag zu Bruckner hinübergrüßen, aber Furtwängler war der Trost naiver Frömmigkeit versagt, und die Zeit, in der er lebte, hätte ihr Bewahren wohl auch einem Bruckner schwer gemacht. Das Aroma der Bitternis ist sein Ureigenes, mag er sich auch in der Sprache einer längst vergangenen Epoche ausdrücken.

Matthias Kornemann, 11.05.2000



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