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Guillaume de Machaut u.a.

La Messe de Nostre Dame

Clemencic Consort, René Clemencic

Arte Nova/BMG 74321 85289-2
(70 Min., 5/1999) 1 CD

Der Name Guillaume de Machauts wird gerne mit einer gewissen Ehrfurcht geraunt: Mit dem um 1300 Geborenen scheint eine der ersten "großen" Komponistenpersönlichkeiten aus dem Dunkel der mitteralterlichen Geschichte hervorzutreten. Er, der schon zu Lebzeiten für die Überlieferung seines Werks Sorge trug, gilt zudem als der Schöpfer einer der ersten vollständigen mehrstimmigen Messvertonungen.
Doch eingängig ist seine Musik nicht. Die Melodien seiner liedhaften Kompositionen sind komplex ausgetüftelt und seine "Messe de Nostre Dame" wirkt wegen des über weite Strecken schmucklos vorgetragenen Texts eher kompakt. Es war daher eine gute Idee von René Clemenic, Machauts Messe zusammen mit seinen weltlichen Kompositionen und einer bunten Mischung weiterer Musik der Zeit zu einem "mitteralterlichen Marienfest" zu kombinieren. Da man wenig über Anlass, Besetzung, Ort und Zeit der Aufführung der Messe de Nostre Dame weiß, ist das Ergebnis natürlich ein Fantasieprodukt. Aber eins, das sehr eindrucksvoll die drastische Buntheit religiöser Feste im Mittelalter vermittelt.
Der Klang des vierköpfigen Gesangsensembles ist kompakt und kräftig, herzhaft machen sich die Tenöre an die "Hoqueti", wie die wie vom Schluckauf unterbrochenen Oberstimmenpaare genannt werden, während die beiden Bässe dudelsackartige Borduneffekte hören lassen. Eine sicher legitime Vortragsart, obwohl man sich auch feinere Effekte hätte vorstellen können.
Am beeindruckendsten auf der Aufnahme sind für mich die populären Lieder, die René Zosso mit rauher Volkssängerstimme vorträgt. Bei dieser Live-Aufnahme hat man buchstäblich vor Augen, wie hier ein kauzig-ekstatischer Priester seine Gemeinde in den Bann schlägt. Großartig, wie Zosso die fünf Buchstaben des Namens "Marie" auslegt: vom Buchstaben M, den er wie eine Monstranz vor dem staunenden Volke in die Höhe hält, bis hin zum geheulten Klagelaut E, mit dem er das Bild der Mater dolorosa beschwört. Nichts für Meditativhörer, aber ein lebendiges Bild einer Gesellschaft, in der hohe Kunstfertigkeit, verzweifelte Lebenslust und religiöser Wahn Hand in Hand gingen.

Carsten Niemann, 27.09.2001



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