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Leevi Madetoja

Pohjalaisia (Die Österbottnier)

Jorma Hynninen, Ritva-Liisa Korhonen, Finnisches Radio-Sinfonieorchester, Finnischer Kammerchor u.a., Jukka-Pekka Saraste

Finlandia/Warner Classics 3984-21440-2
(142 Min., 8/1993, 8/1997) 2 CDs

1924 uraufgeführt, ist "Pohjalaisia" von Leevi Madetoja (1887-1947) die erste finnische Oper von Bedeutung und bis zum heutigen Tage eine der erfolgreichsten obendrein. Das Werk wurde sofort als Meilenstein der Musikgeschichte Finnlands angesehen. Sicherlich lag ein großer Teil des Erfolgs im Libretto begründet, das den Freiheitskampf der Österbottnier im 19. Jahrhundert zum Thema hat – ein Sujet, das in Finnland, das sich lange Zeit unter Fremdherrschaft zu leiden hatte, Anklang finden musste.
Musikalisch gehörte Madetoja zur nationalen Schule; er studierte bei Sibelius, ließ sich aber temporär auch vom französischen Impressionismus inspirieren. Seine Musik in "Pohjalaisia" beruht zum großen Teil auf Volksliedern und ist durchweg tonal und konservativ gehalten; das Werk hätte auch rund fünfzig Jahre früher geschrieben sein können, eine nordische Belcanto-Oper sozusagen. Madetojas Klangsprache hat durchaus ihre Reize, wenn sie auch nicht die Individualität der Musik Sibelius’ besitzt. Es finden sich allerdings wenig Kontraste, die Gesangslinien sind zum großen Teil rezitativisch gehalten, wenn auch äußerst melodisch. Mit dem von nationalem Pathos erfüllten Libretto läßt sich heute nur wenig anfangen, vor allem, wenn der persönliche Bezug zur finnischen Geschichte fehlt. Aber gibt es nicht viele Opern mit mäßigen Libretti und ansprechender Musik?
Die vorliegende Aufnahme versammelt eine prominente Schar finnischer Sänger, die unter Sarastes Stabführung viel Engagement und Seele einbringen, um die Qualitäten von Madetojas Musik auch dem "nicht-nordischen" Hörer nahezubringen. Als Einstieg eignet sich die Suite aus der Oper, die auf der vorliegenden Einspielung ebenfalls zu finden ist.

Thomas Schulz, 31.03.1998



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