Responsive image
Alban Berg

Altenberg-Lieder, Sieben frühe Lieder, "Der Wein", Drei Orchesterstücke

Juliane Banse, Alessandra Marc, Deborah Voigt, Sächsische Staatskapelle Dresden, Giuseppe Sinopoli

Teldec/Warner Classics 3984-22904-2
(62 Min., 6/1997, 7/1997, 11/1997) 1 CD

Wer hier zuhört, kommt sich ein wenig vor wie Paris vor den drei Grazien. Welche ist die schönste der drei an dieser Berg-CD beteiligten Sängerinnen, welcher möchte man seinen Apfel schenken? Juliane Banse, deren wohltuend undramatisch geführter, fast keusch zu nennender Sopran den „Sieben frühen Liedern“ mädchenhaften Scharm verleiht und sich dennoch fast mühelos gegen die Fin-de-Siècle-Schwüle des groß besetzten Orchesters behauptet? Oder doch lieber Alessandra Marc, die die Altenberg Lieder op. 4 nach „Ansichtskarten-Texten“ des k.u.k.-Bohemien mit sicherer Geste auszuformulieren weiß (auch wenn ihr vor lauter Expressionismus ein „a“ schon einmal zu einem „o“ gerät)? Und dann ist da noch Deborah Voigt, genauso reif und voll wie gelungene Jahrgänge jenes Getränks, das sie in „Wein“, einer Kantate nach Baudelaire zu besingen hat.
Im Gegensatz zum schönen Griechen der Sage kann ich mich bei meiner Wahl allerdings eleganter aus der Affäre ziehen. Mein Preis gehört hier der Staatskapelle Dresden, die sich mit dieser Produktion wiederum als große und klanglich gar nicht alte Dame der deutschen Orchesterlandschaft empfiehlt: Es gelingt dem Ensemble unter Sinopolis Leitung fabelhaft, ganz weite Bögen zu spannen, ohne die komplexen Partituren bloß mit romantischer Soße zu übergießen.

Stefan Heßbrüggen, 09.03.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top