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Marin Marais

Musik für Viola da Gamba und Theorbe

Hille Perl, Lee Santana

DHM/BMG 82876 58791-2
(79 Min., 1/2004) 1 CD

“Zärtlich und brillant” sollen die Schüler von Sainte Colombe gespielt haben, jenes legendären französischen Gambenmeisters, der auch Marain Marais (1656 - 1728) unterrichtete. Das hört sich schön und gut an - aber wie mag es konkret geklungen haben? Hille Perl scheint sich zusammen mit ihrem langjährigen Partner Lee Santana die Aufgabe gestellt zu haben, genau diese beiden Eigenschaften, Zärtlichkeit und Brillanz, die sich zwar nicht ausschließen, aber doch nur flüchtig berühren, zu vereinen. Das gelingt - wobei ihre Zärtlichkeit eine selbstvergessene ist, zeitlos, ohne hastige Gier nach dem flüchtigen Genuss, und in ihrer Unaufdringlichkeit fast die Grenze der Herbheit berührend. Perls Brillanz meint dagegen zunächst einmal eine Helligkeit und Klarheit der Tongebung, und weil die Töne von innen leuchten, braucht ihre Virtuosität keinen Scheinwerfer: Wenn Perl zum Abschluss eines Stückes so sanfte Übergänge von der tiefsten zur höchsten Lage schafft, dass der hohe Ton so ursächlich zum tiefen zu gehören scheint wie der Nachschein zu einem untergegangenen Gestirn, dann macht sie das technische Kunststück, das darin liegt, vergessen.
Die Schwerelosigkeit dieser Aufnahmen ist allerdings auch eine Folge der Besetzung: Die meisten Stücke sind einer schottischen Handschrift mit Frühfassungen von Kompositionen Marais' entnommen, wovon eines ausdrücklich für die Kombination Viola da Gamba/Theorbe bestimmt ist. Weil in der Quelle zudem die sonst übliche Continuobassstimme fehlt, nahmen Perl und Santana dies zum Anlass, die Begleitungen teils aus gedruckten Spätfassungen zu rekonstruieren oder, wo diese fehlten, auch selbst zu ergänzen. Der Sicht auf Marais, dessen ausgedehnte Suiten mit ihren zahlreichen Plaintes und orgiastischen Variationen über wiederkehrende Bassformeln oft zu ganz unzärtlicher Schwere neigen, tut diese Herangehensweise gut. Es ist der Ernsthaftigkeit dieser Produktion zu verdanken, dass ihr dennoch kein Fundament zu fehlen scheint.

Carsten Niemann, 29.05.2004



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