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Czeslaw Marek

Orchesterwerke Vol. I

Philharmonia Orchestra, Gary Brain

Koch Classics 364 392

Auch in unserer von den Medien durchleuchteten Zeit gibt es noch Nischen, in denen schöpferische Geister ungestört arbeiten können. Vorausgesetzt, sie suchen den Trubel der Welt nicht und werden ihrerseits von ihm nicht behelligt. Ein solches Leben führte der 1985 verstorbene Klavierpädagoge, Pianist und Komponist Czeslaw Marek.
Marek wurde 1891 in Przemysl geboren, einem Dorf in Südostpolen, gut fünfzig Kilometer westlich von Lemberg. 1910 ging er zum Musikstudium nach Wien. Dort studierte er Klavier; 1913 wurde er Privatschüler von Hans Pfitzner in Straßburg. Nach seiner Straßburger Zeit siedelte Marek 1915 in die Schweiz über, nach Zürich, wo er bis zu seinem Tod 1985 lebte.
Bis in die zwanziger Jahre hinein war er als Klaviersolist unterwegs. Er spielte ein vornehmlich klassisch-romantisches Repertoire, aber auch Ravel, Skrjabin und Szymanowski. Nach 1927 war er fast nur noch im Schweizerischen Rundfunk zu hören, zuletzt wohl im Oktober 1944. Auch Mareks kompositorische Tätigkeit ließ nach 1920 auffällig nach. Schließlich versiegte sie, bis auf Überarbeitungen eigener und Bearbeitungen fremder Werke, ganz. Nach 1940 war Marek nahezu ausschließlich als Klavierpädagoge tätig. 1972 erschien als Ergebnis dieser Arbeit seine „Lehre des Klavierspiels“ (Atlantis-Verlag).
Von seinen Kompositionen ist bislang nur wenig im Druck erschienen, noch weniger wurden seine Werke bisher aufgeführt. Koch Classics hat nun mit der Zürcher Marek-Stiftung und dem Dirigenten Gary Brain eine auf sieben CDs (drei mit Orchesterwerken, vier mit Kammermusik) angelegte Edition des Gesamtwerks Mareks begonnen. Die erste Folge enthält drei Orchesterwerke, darunter die Sinfonia op. 28 und die Suite op. 25, die als Hauptwerke Mareks gelten.
Mareks Klangwelt ist eine zarte, fast schon zerbrechliche, die zusammengehalten wird von einem streng dem 19. Jahrhundert verpflichteten Tonsatz und einer nahezu durchgängig pulsierenden Rhythmik, die trotzdem mehr statisch als bewegt wirkt. Eine Musik ohne Höhepunkte, wenn auch mit dynamischen Steigerungen. Es sind statische, streicherbetonte Klangbilder, die Marek in diesen Kompositionen ins Orchester projiziert.
Über die Satztechnik wird der Gesamtklang zusammengehalten, nicht über einen subjektiven, expressiven Gestus. Alois Hába schrieb 1927 nach einer Prager Aufführung der Suite op. 25: „Marek ist musikalischer Objektivist.“ Diese Objektivität entspringt dabei keiner Nähe zur Sachlichkeit der zwanziger Jahre, sondern ist vielmehr die ihrer Expressivität beraubte, technische Seite der Spätromantik. Mir scheint, dass Mareks Musik in der Etüde, der technischen Übung wurzelt. Die Einspielungen seiner weiteren Werke werden hören lassen, ob sich das bestätigt.

Thomas Maier, 30.06.1996



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