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Wladimir Martynow

Night In Galicia

Ensemble Opus posth., Tatjana Grindenko

CCn'C Records/In-Akustik 00802
(70 Min., 6/1999) 1 CD

Tatjana Grindenkos früher Wunsch "Ich wollte die beste Geigerin der Welt werden!" gipfelte nach einer Reihe vorderster Wettbewerbserfolge 1972 mit dem Ersten Preis beim Wieniawski-Wettbewerb Poznan. Nachdem sie 1977 zusammen mit Gidon Kremer als Musik- und Lebenspartner noch Alfred Schnittkes Konzert für zwei Violinen und Arvo Pärts Tabula rasa aus der Taufe hob, konnte sie ab 1978 infolge ihres Eintretens für Dissidenten ein Jahrzehnt lang so gut wie keine Auslandsverpflichtungen mehr wahrnehmen.
Nachdem sie 1982 mit der "Moskauer Akademie für Alte Musik" das erste Ensemble in Osteuropa gründete, das sich "Originaler Aufführungspraxis" widmete, erstreckte sich ihr Wirkungsradius bald von Musik des Mittelalters und der "normalen Bereiche" über die Mitwirkung in einer Beat-Gruppe hin bis zu experimenteller Musik. Schnittke, Artiomow, Martynow, Pärt, Silvestrow und andere haben Tatjana Grindenko Werke zugeeignet. Aufbauend auf die Moskauer Akademie für Alte Musik gründete sie zusammen mit Wladimir Martynow das Ensemble OPUS POSTH., zu dessen festem Repertoire Werke von Pärt, Kantscheli und - allen voran - Martynow gehören.
Martynovs "Night In Galicia" ist ein auf "magischen Liedern von Flussmädchen und Walddämonen" basierendes "Klang-Gedicht" Velimir Chlebnikows - in einer "Sprache, die niemand kennt", jedoch offenbare Analogien zu Schamanen-Sprachen aufweist. Das Werk konfrontiert mit einer vielleicht nur noch in Russland denkbaren Vorstellungswelt: Vogelrufe, Signale von Dämonen, Nymphen, Wind- und Waldgeistern werden zu einem alptraumhaft-ekstatischen und archaisch anmutenden Ritual verwoben, aus dem erst der mit vertrauteren Harmonien herannahende und alles wieder auslöschende Morgen erlöst. Die Interpreten lassen uns unter Tatjanas energiegeladener Führung in Martynows urtümlich-moderne, Kulturen und Zeiten auflösende Klangräume eintauchen - wenn wir alle Widerstände abschaltend treiben lassen ....

Wolfgang Wendel, 13.04.2000



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