Im Vergleich zu einigen früheren Kompositionen von Peter Maxwell Davies wirkt das große Oratorium "Job" beinahe konventionell. Doch dieser Eindruck betrifft nur die Oberfläche. Die biblische Geschichte von Hiob, der trotz allen Leidens Gott nicht verflucht, behandelt der Komponist als psychologisches Drama, das sich in Hiobs Geist und Seele abspielt. Daraus resultiert auch die relativ asketische, verinnerlichte Klangsprache dieses Werks, die an die sturmdurchtoste Landschaft von Davies' Sinfonien nur entfernt erinnert. Doch Max wäre nicht Max, wenn er nicht auch hier seine typische Subversion ins Spiel brächte: Gott, wenn er in "Job" auftaucht, klingt meist wie ein alter Schmierenkomödiant mit Theaterdonner, während Satan, sein Gegenspieler, vergleichsweise vernünftig wirkt.

Thomas Schulz, 31.01.1998



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