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Francesco Geminiani

Der Zauberwald, Concerti grossi op. 7 Nr. 4 und 6

La Stagione Frankfurt, Michael Schneider

Capriccio, 67 081
(58 Min., 7/2003) 1 CD

Der Liebeskampf zwischen dem Kreuzritter Rinaldo und der verführerischen Orientalin Armida erfreute unter den Künstlern des Barock einer beispiellosen Beliebtheit und das in allen Sparten: von Tiepolos Fresken über prachtvolle französische Gobelins bis hin zu Händels Opern reicht die beeindruckende Liste der Meisterwerke nach der Episode aus Torquato Tassos Epos "Il Gerusalemme liberata". Auch Francesco Geminiani (1687 - 1762), ein seinerzeit hoch geschätzter und - beim genauen Hinhören - sogar recht eigenwilliger Komponist, der leider etwas zu sehr im Schatten seines Lehrers Corelli sowie Händels steht, nahm sich des Stoffes an: Die Begegnung zwischen Rinaldo und Armida im Zauberwald schilderte er zunächst in einer Ballettmusik, die er 1754 für die Pariser Truppe Niccolò Servandonis schrieb (wobei er seinem italienischen Idiom sogar einen winzigen französischen Akzent à la Rameau verpasste). Später formte er die Musik zu einem Orchesterkonzert mit zahlreichen obligaten Instrumenten um, das an Vielfalt der Sätze und Ausdehnung ein wenig wie ein waldiges Gegenstück zu Händels Wassermusik wirkt. Geminiani hat dem Konzert bewusst kein Programm beigefügt, dennoch ist es durchsetzt von schildernden Passagen, so dass es mit poetischem Sinn von der Exotik bis zur Erotik eine Fülle von Bildern heraus zu arbeiten gibt. Das tut Scheider denn auch: gewissenhaft und mit Liebe zum Detail, doch ohne den Epochen bewegenden Grundkonflikt zwischen dem anmutigen Helden und seiner mächtigen Gegenspielerin für einen übergreifenden Spannungsbogen zu nutzen. Der aber wäre nötig, um das Werk neben anderen Darstellungen des Liebeskampfes bestehen zu lassen und es so ins Kernrepertoire barocker Orchestermusik zu befördern.

Carsten Niemann, 11.09.2004



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