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Carlo Gesualdo

Death For Five Voices

Gesualdo Consort London, Il Complesso Barocco, Alan Curtis

Arthaus/Naxos 102 055
(60 Min., 1995) 1 DVD

Stirb und werde: Dass der Tod die Voraussetzung für den Beginn von etwas Neuem ist, ist eine alte Denkfigur. Das gilt auch für den neapolitanischen Renaissance- und Musikerfürsten Carlo Gesualdo da Venosa. Im Jahr 1590, gleich nachdem der Komponist in einem Eifersuchtsanfall nicht nur seine Frau Maria d´Avalos und deren Liebhaber niedergemetzelt hatte, sondern auch noch die eigene Tochter, komponierte Gesualdo fortan seine bahnbrechenden Madrigale, als ginge es um sein Leben. Auf eine authentische Spurenlese hat sich der Film- und Opernregisseur Werner Herzog 1995 fürs Fernsehen gemacht. Er besuchte das damals schwer renovierungsbedürftige Schloss, in das sich Gesualdo nach seiner Bluttat zurückgezogen hatte und in Neapel, der Geburtsstadt Gesualdos, spürte Herzog sogar einen Nachfahren von Maria d´Avalos auf, der nicht nur über die Verwandte eine Oper komponiert hat, sondern in seinem riesigen Archiv sogar ihr Todesbett aufbewahrt. Ob das prunkvolle Gestell tatsächlich das Original ist, kann man glauben oder nicht. Aber auch das zeigt eben dieses Filmporträt: Wohl über keinen anderen Komponisten kursieren so viele Anekdoten. Doch ganz ohne Fakten kommt diese Abenteuerreise natürlich nicht aus. So präsentiert u. a. das Ensemble Il Complesso Barocco unter Alan Curtis einige von Gesualdos revolutionären Madrigalen. Und in einer Trattoria-Küche bereitet der schmächtige Patrone mit seiner resoluten Gattin das Hochzeitsmahl von Gesualdo in Auszügen nach, bei dem Aal in Tomatensauce, Wachteln, 2.000 Austern und 120 Zicklein verspeist wurden. Doch bei allen kulinarischen und kompositorischen Vorlieben Gesualdos war er laut der ständig keifenden Köchin eigentlich nur eines: Un diavolo, un diavolo!

Guido Fischer, 14.04.2007



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