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N° 1272
24. - 30.09.2022

nächste Aktualisierung
am 01.10.2022



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François-Joseph Gossec

Sinfonien

Concerto Köln

Capriccio/Delta 67 073
(64 Min., 1/2003) 1 CD

Unter Fachleuten wird sein Name hartnäckig als bedeutend genannt, richtig populär ist er noch immer nicht geworden: François-Joseph Gossec. Dabei gehörte der ungefähr zeitgleich mit Haydn geborene, aber nach Beethoven gestorbene Komponist viele Jahrzehnte lang zu den wichtigen und einflussreichen Sinfonikern Europas. Lediglich 1989 wurde es anlässlich der Feiern zum zweihundertsten Jahrestag der Französischen Revolution etwas lauter um Gossec, hatte er doch das Glück, zu den wenigen revolutionsbegeisterten Komponisten zu gehören, die anhörenswerte Werke für deren monumentale Feiern und Massenveranstaltungen geschrieben hat. Nun hat also Concerto Köln einen weiteren Versuch gestartet, das Volk mit Gossecs lärmender Muse bekannt zu machen, wobei man sich ganz auf das symphonische Ouevre des gebürtigen Wallonen stürzte. Die Erwartungen sind hoch, nach den erstaunlichen Entdeckungen, welche dieses Ensemble mit Symphonien durchaus unbekannterer Zeitgenossen Gossecs wie etwa Brunetti, Rosetti und Kraus gemacht hat. An Einsatz lassen es die Musiker nicht fehlen, und die mit vielfachem Blech und Holz üppigst besetzten Werke des Bürger Gossec geben so gut wie jedem Mitglied des temperamentvollen und basisdemokratisch organisierten Ensembles Gelegenheit, in einer obligaten Partie die Stimme zu erheben. Spannend ist es, die Entwicklung Gossecs vom Mannheimer Stil über seine originelle Jagdsinfonie hin zu seinem an Cherubini erinnernden Spätwerk zu verfolgen. Alles atmet wehrhafte Energie, Frische und, in der durchaus gewollten "klassischen" Schlichtheit der harmonischen Struktur, den Vernunftoptimismus der Aufklärung. Lässt sich der Eindruck nun auch besser nachvollziehen, den Gossecs Musik auf immerhin so geniale Zeitgenossen wie Beethoven machte: Seine Einfalt ist nicht immer edel und seine Größe niemals still: Den Zauber des Pianssimo und überhaupt Momente der inneren Ruhe scheint Gossec entweder nicht zu kennen, oder die Werkauswahl enthält sie uns vor.

Carsten Niemann, 20.03.2004



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