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Philip Grange

Dark Labyrinths

Ensemble Gemini, Alison Wells, Nicholas Sears, Timothy Gill

Black Box/Note 1 BBM 1038
(56 Min., 5/1999, 7/1999) 1 CD

Es ist keine Musik der großen extrovertierten Gesten, die der Londoner Philip Grange komponiert, doch seine auf dieser CD versammelten Lieder und Kammermusikwerke verströmen eine stille Instensität, die bei jedem Hören stärker wird. Das gilt besonders für "The Dark Labyrinth" von 1987, eine Art Kammerkonzert für Cello und kleines Ensemble, in dem sich das Soloinstrument durch ein mal dichtes und undurchdringliches, mal trügerisch transparentes Gewebe von Instrumentalstimmen windet, bis es am Schluss deutlich hörbar den Ausgang aus dem Labyrinth findet.
Oder "As It Was", ein Vokalwerk nach Worten des im Ersten Weltkrieg gefallenen englischen Dichters Edward Thomas: Hier sind dem Sopran zwei Klarinetten als Schattenstimmen beigegeben, die Thomas' schwermütige Lyrik mit teils dunkler, teils greller Frabe grundieren. Die Stimmung in Granges freitonaler, sehr individueller Musik ist stets verhalten, gelegentlich unterschwellig aggressiv, doch nie depressiv; sie stellt hohe Ansprüche an den Hörer, ohne mit experimentellen Klangverdrehungen auf die Nerven zu fallen. Vor allem ist sie eines: echte Kammermusik - introvertiert, intelligent, ausdrucksstark und atmosphärisch, zudem wird sie vom Gemini-Ensemble adäquat interpretiert. Das Beiheft - fast unleserliche, winzige weiße Schrift auf schwarzem Grund - ist allerdings eine Zumutung.

Thomas Schulz, 02.11.2000



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