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Gérard Grisey

Les espaces acoustiques

Garth Knox, Asko Ensemble, WDR Sinfonieorchester Köln, Stefan Asbury

Kairos/harmonia mundi 0012422
(97 Min., 9/2001, 2/2002)

Rausch und Form stehen in der Musik von Gérard Grisey in einem Spannungsverhältnis. Er zählt zu den Väter der sogenannten "Spektralisten", einer Gruppe von Komponisten, die in den 70er Jahren im IRCAM begannen, einzelne Töne auszuforschen und sich dabei auf das Obertonspektrum bezogen. Wie in einem Biotop begann er, Klänge zu züchten, verschiedene Parameter zu verstärken und die Wirkung dieser Veränderungen zu beobachten. In den "Espaces Acoustiques" erforschte Grisey über 12 Jahre den Klangraum. Jedes der sechs Instrumentalwerke dieses Zyklus‘ erweitert die akustischen Dimensionen des vorherigen. Dabei wird der Raum immer größer: beginnend mit dem Prolog für Bratsche, steigert sich die Besetzung bis hin zum großen Orchester mit vier Solohörnern. Hat man anfangs eine kleine Kammer betreten, steht man am Ende in einer riesigen Kathedrale.
Im Begleitheft sind Griseys Ansätze nachzulesen, die den Menschen in Beziehung zu den organischen Strukturen der Musik sehen: In Bezug auf seinen "Prolog” spricht Grisey von "Herzschlag und Echo", die Strukturen von "Périodes" und "Partiels" vergleicht er mit dem menschlichen Atmen, "Modulations" reflektiert die tatsächlich wahrgenommene psychologische Zeit, in "Transitoires" geht es um Erinnerungen und Aufbruch.
Derart sensibilisiert kann man Griseys Forschungsergebnisse als eine nach innen gerichtete Reise durch Zeit und Raum erfahren. Es scheint, als hätten die Musiker selbst diese Reise nach innen begeben. Das Amalgam eines Ensembles für Neue Musik mit einem traditionellen Orchester potenziert die raumgreifende Mystik der Klänge.

Margarete Zander, 04.06.2005



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