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Josef Mysliveček

Sinfonien

Concerto Köln, Werner Ehrhardt

Deutsche Grammophon Archiv Produktion 477 6418
(67 Min., 2/2004) 1 CD

Seine Sinfonien gleichen guten italienischen Opernouvertüren – und diese gleichen im Charakter einem guten Sekt: Spritzig und anregend heben sie die Stimmung und schärfen gleichzeitig die Sinne für den Genuss des kommenden Ereignisses. In Details wie etwa den hier besonders sorgfältig ausgebauten Aromen im Bereich der Holzblasinstrumente sind sie dabei durchaus in der Lage, die Aufmerksamkeit des vielleicht noch im Foyer plaudernden Kenners auf sich zu ziehen; nie würden sie sich jedoch die Extravaganz anmaßen, völlig vom Gespräch und der Spannung auf das Kommende abzulenken. Und noch etwas haben sie mit dem Gläschen Sekt zum Empfang gemeinsam: Allzu viele hinter einander wird man von ihnen selten genießen wollen. Es ist also ein Vorgeschmack, den man bei den sechs Sinfonien auf das Werk des in Italien gefeierten und dort mit dem Kosenamen "der göttliche Böhme" belegten Josef Mysliveček (1737-1781) bekommt. Und so frappierend deutlich die Spuren auch sind, die Myslivečeks Personalstil im Werk seines Freundes und Bewunderers Mozart hinterließ: In seinen Opernarien wird man sie viel deutlicher hören als in seinen Sinfonien, die über weite Strecken auch nur intelligent mit konventionellen Figuren arbeiten. Und auch wenn die Sinfonien mit ihrer Mischung aus offener Streicherbrillanz und versteckterer Bläserdelikatesse den Musikern von Concerto Köln am meisten liegen, so freut man sich doch, wenn der Komponist am Ende wenigstens in einem Werk auch als Charakterkopf hervortreten darf: Sein Concertino Es-Dur setzt als solistischen Partner der Streicher gleich ein komplettes Bläserensemble (die damals sogenannte "Harmoniemusik") ein. Und bietet nach all den schönen Appetizern endlich auch einen klangfarblich wie harmonisch deftigeren Happen.

Carsten Niemann, 22.02.2007



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