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Johann Peter Emil Hartmann

Klaviermusik

Nina Gade

Dacapo/Naxos 7 30099 98622 9
(5/2000) 1 CD

Johann Peter Emil Hartmann - den Lexika bekannt als eine der prägenden Gestalten der dänischen Musik -, lebte sagenhafte fünfundneunzig Jahre, von 1805 bis 1900. Das reiche Musikjahrhundert zog nicht nur an ihm vorbei, es durchdrang sein Werk. Seine Capricen op. 18 verriß Schumann persönlich in seiner „Neuen Zeitschrift für Musik.“ Doch Hartmann entwickelte sich von diesen etwas glatten Mendelssohn-Anlehungen fort.
Die "Sechs Tonstücke in Liedform" von 1842 – sein Verleger wollte sie „Lieder ohne Worte“ nennen –, hätten sicher auch Schumann gefallen, dessen Geist hier durchschimmert, ohne sich schematisch kopiert zu finden. Die Nr. 1 ist für mich das eindrucksvollste Stück auf der CD mit seinen seltsam unregemäßigen Perioden und stetem Dur-Moll-Wechsel. Allein die Tempoangabe "Allegro agitato grazioso" läßt sein bizarres, schwankendes Wesen erahnen. Die Stücklein nach Gedichten Andersens (1849) sind im behaglichen Salonton gehalten, gemütvoll illustrierend, ohne mit für damalige Zeit modernen Klängen zu experimentieren. Hartmann bediente eben gleichermaßen souverän Genre und Fortschritt.
Schon hier taucht das übliche Problem der Raritätenproduktionen auf. In der Nr 2., „Schmetterling“ geraten der Pianistin Nina Gade die Skalen in der Rechten verschmierter und unregelmäßiger, als es einem Profi passieren sollte. Erst recht die "Etudes instructives" lassen Unbeholfenheiten hervortreten. Die g-Moll-Etüde, die wahrlich nicht von Listzscher Tücke ist, würde eigentlich jeder Student einer Hochschule klarer hinlegen.
Es ist leider oft so. Für Seltenes, Vergessenes setzten sich zumeist die Spieler der Regionalliga ein und nur selten die ganz großen Musiker. Dabei brauchen gerade die unbekannten Sachen beherzte Nachhilfe. Doch den scheuen Lyriker Hartmann begreift Nina Gade immer noch einfühlsam genug, um diese Produktion zu einem Vergnügen für den Sammler seltener Klaviermusik zu machen.

Matthias Kornemann, 15.02.2001



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