Die katholische Insel Dresden inmitten des evangelischen Sachsen hat der Musikwelt nicht nur Bachs h-Moll-Messe beschert. Da der Kurfürst - als gleichzeitiger König von Polen - katholisch war, wurde an seinem Hof die gesamte Barockzeit hindurch opulent ausgestattete Kirchenmusik musiziert, und auch die damals bekannten Opernkomponisten (Bach nannte ihre Arien “schöne Liederchen”) wechselten mitunter ins geistliche Fach.
Einer davon war Johann Adolf Hasse, dessen große Messe in d-Moll aus dem Jahre 1751 eine farbige Repertoirebereicherung ist. Hermann Max und seine Musiker interpretieren mit Sinn für die wortgezeugte Dramaturgie. Die einzelnen Abschnitte, die meist den konventionellen Affekten vom Gloria-Jubel mit Streicher-Läufen, eng gefasster Moll-Melodik beim “Qui tollis”, chromatischer Verzerrung beim “Et incarnatus” folgen, erscheinen in Max’ Interpretation in glasklarer Brillanz, wobei es nach meinem Geschmack allerdings mitunter ein wenig an kontrastierendem Nachdruck mangelt - dies sicher auch wegen der klein gehaltenen Chorbesetzung.
Heinichens Requiem kommt Max’ transparentem Stil mehr entgegen. Der Komponist verzichtet auf eine dramatisch-vordergründige Gestaltung, wie man sie etwa vom “Dies irae” her kennt; statt dessen setzt der Komponist auf so manche instrumentatorische Feinheit; von besonderer Schönheit sind die lyrischen Stellen der Holzbläser im “Christe” und im “Recordare”.

Oliver Buslau, 28.02.1999



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