Responsive image
Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 1

Berliner Philharmoniker, Daniel Barenboim

Teldec/Warner Classics 0630-16646-2
(61 Min., 11/1996) 1 CD

Genau vor 130 Jahren, im Mai 1868, erschreckte der Domorganist Anton Bruckner die braven Linzer gehörig mit seiner Ersten (die eigentlich schon seine Dritte war). In derartig keckem, selbstbewusstem Marschtritt beginnt keine seiner späteren Sinfonien mehr.
Leider bietet Daniel Barenboims Neuaufnahme mit den Berliner Philharmonikern nurmehr matten Widerhall dieser Frische. Man vermisst die scharfe, trockene Punktierung des Themas, das sich hier recht lasch dahinschleppt, obwohl das Grundtempo eigentlich zügig ist. Leider bleibt das Dirigat derart konturlos; so gelingt es Barenboim nicht, die Perioden des liedhaften Seitenthemas über spannungsvolle, atmende Übergänge zusammenzuschweißen.
Hier wie andernorts fehlen die konzentriert entwickelten großen Linien. Das geheimnisvolle Ende der Durchführung, die mit ganz leisem Paukenwirbel wieder losmarschierende Reprise - das sind bei Barenboim tote Augenblicke: Das Thema fängt einfach wieder an.
Im Adagio schließlich wackeln derartig viele Einsätze, beim dolce-Thema innerhalb von drei Takten zweimal (Holzbläser!), sogar beim Schlussakkord - all das zeugt nicht gerade von äußerster Konzentration. Mögen die Berliner noch so samtig klingen, eine Sternstunde hatten sie hier nicht gerade. Das Finale gerät endlich feuriger, da scheint man aufzuwachen, doch zu spät. Eine Konkurrenz für Soltis und Inbals Deutungen ist diese Routinenummer wirklich nicht.

Matthias Kornemann, 31.03.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Ironie, Satire, Persiflage: Es sind die wohl schwierigsten Kommunikationsformen überhaupt. Und noch mehr, wenn es um musikalische Kommunikation geht. Denn hier ist selten einfach das gemeint, was offensichtlich ausgedrückt wird, sondern meist eine Haltung des Komponisten dazu, sei es eine Distanzierung, eine Kritik oder einfach nur ein derber Spaß, den er sich erlaubt. Dmitri Schostakowitsch war ein Meister dieser unterhaltsamen Kunst der Zwischentöne. Sein erstes Klavierkonzert, das er mit […] mehr »


Top