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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 4

Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Nikolaus Harnoncourt

Teldec/Warner Classics 0630-17126-2 
(63 Min., 4/1997) 1 CD

Also spricht ein bekennender Harnoncourt-Fan: Diese Bruckner-Vierte ist eine herbe Enttäuschung. Es muss ja nicht “majestätisch” klingen, aber innerhalb dieser mächtigen Quader wird des Dirigenten Akribie zur bröseligen Manier, sein Sinn fürs Pure zur puren Pedanterie. Sicher, auch Bruckner war ein Pedant - aber ein frenetischer. Und gerade in dieser “Romantischen” Sinfonie.
Frenetik aber scheint Harnoncourt (hier zumindest) völlig fremd: Er wird zum Buchhalter des Notentextes, zweite Fassung von 1878/80, und lässt genau das vermissen, was er im Beiheft - gewohnt eloquent - ausspricht: Dass der überfromme Komponist in seiner Musik “gesündigt” habe, wissentlich, willentlich und dann reuevoll. Hier könnte der Papst zuhören - und sogar er würde möglicherweise einschlafen.
Nehmen wir den zweiten Satz, das Herz des Werkes: Bruckner will ihn “gehend” (Andante ...), aber zugleich auch “rascher gehend” (... quasi allegretto), dann gibt's natürlich noch Tempomodifikationen. Aber Harnoncourt, bei eher langsamem Grundtempo, ist so übergenau, dass nichts mehr “blühen” will, dass nirgendwo Platz ist für eine “Sünde”. Und die berüchtigten Generalpausen, in denen die vorangegangene Musik (als Erinnerung) und die nachfolgende (als Erwartung) sich stauen sollte - sind lediglich Löcher. Harnoncourt bietet den ersten Lego-Bruckner, der mir unterkommt: Stein auf Stein auf Stein, sonst nichts.

Thomas Rübenacker, 31.01.1999



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