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Darius Milhaud

Sämtliche Streichquartette

Véronique Dietschy, Quatuor Parisii, Quatuor Manfred

Naive/Harmonia Mundi V 4900
(1996 - 2001) 5 CDs

Wer auf der Suche ist nach etwas ganz Außergewöhnlichem, der ist mit dieser 5-CD-Box gut bedient: Die Gesamtaufnahme der achtzehn Streichquartette des bis heute keineswegs angemessen gewürdigten Darius Milhaud wird auch einen routinierten und "abgebrühten" Hörer lange Zeit beschäftigen, erfüllen, überraschen und faszinieren.
1912 begann Milhaud mit einem stark am Idol Debussy orientierten Quartett von vergleichsweise konventioneller, aber dennoch recht ansprechender Machart. In den folgenden siebzehn Werken, entstanden zwischen 1914 und 1951, experimentiert Milhaud so ziemlich mit allem, was ihm in seinem Leben begegnet ist: Ein Brasilienaufenthalt etwa hinterlässt in Form von Elementen der dortigen Volksmusik seine Spuren; die Bekanntschaft mit Werken der Wiener Schule führt u. a. zu polytonalen Techniken.
Milhauds Freundschaft zu Francis Poulenc, mit dem zusammen er der "Groupe de Sixe" angehörte, ließ ihn 1922 ein leichtgewichtigeres, Poulenc gewidmetes Werk komponieren, denn dieser war von der Komplexität des vorausgegangenen Quartetts etwas überfahren gewesen. Einer der Höhepunkte der Werkreihe sind schließlich die Quartette Nr. 14 und Nr. 15, die einzeln wie auch zusammen als Oktett gespielt werden können - ein in dieser Konsequenz und Könnerschaft wohl einzigartiges Unternehmen.
Das Quatuor Parisii hat sich für die Aufnahme von Milhauds Quartetten einige Jahre Zeit genommen und legt nun eine äußerst gekonnt und engagiert musizierte Gesamtleistung vor. Kleine, aber ebenso qualifizierte Beiträge leisteten die Sopranistin Véronique Dietschy (sie ist im dritten Quartett zu hören) und das Quatour Manfred (im Oktett). Die Beihefte der einzelnen CDs sind sehr informativ und können auf Äußerungen von Milhauds Witwe zurückgreifen, zu der man offensichtlich intensiven Kontakt hatte.
Milhauds Quartette sind ein Kosmos, der immer wieder zu neuen Entdeckungsreisen einlädt und von der Innovationskraft, Frische und Originalität seines Schöpfers auf vielfältige Art zu berichten weiß. Deshalb kann diese Produktion gar nicht genug gelobt werden.

Michael Wersin, 18.07.2002



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