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Anton Bruckner

Sinfonie Nr. 4

Los Angeles Philharmonic, Esa-Pekka Salonen

Sony SK 63301
(69 Min., 5/1997) 1 CD

Salonen beginnt diese “romantische” Bruckner-Sinfonie mit einem Wagnerschen “Langsam anfangen und allmählich ins Tempo übergehen”, was durchaus sinnvoll ist: Schon seine Dritte hatte Bruckner ja dem Bayreuther Behemoth zugeeignet. Leider wird der einleuchtende Beginn dieser Aufnahme im weiteren Verlauf getrübt; Salonen geheimnist alles mögliche in diese Musik hinein, seine Sicht ist - milde formuliert - eine manierierte: schöne Stellen, gewaltige Aufgipfelungen, klangvoller Edelsinn - aber wirklich zusammen kommt nix.
Das verwundert, da doch Salonen selbst ein hochbegabter Komponist ist. Hat er kein Gespür für die Architektur dieser Musik? Wenn man die Baupläne eines Hauses, gar einer Kathedrale, falsch auslegt, wird irgendwann alles zusammenkrachen. Bei dieser Vierten aus Los Angeles allerdings ist der Kollaps ein schleichender - man hört sich wohl durch, weil das Orchester sehr gut spielt und intelligente Absicht allenthalben aufscheint. Aber am Ende hat der Hörer doch nur Bruchstücke einer Bruckner-Sinfonie in der Hand: und weiß nicht so recht, was er damit anfangen soll.

Thomas Rübenacker, 31.05.1998



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