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Antonio Lotti, Johann Sebastian Bach

Missa Sapientiae, Magnificat BWV 243a

Balthasar-Neumann-Chor, Balthasar-Neumann-Ensemble, Thomas Hengelbrock

Deutsche Harmonia Mundi/BMG 05472 77534-2
(62 Min., 10/2002) 1 CD

Mag es auch noch immer Leute geben, die Antonio Lotti für einen Kleinmeister halten, den man nicht zu kennen braucht - Bach und Händel jedenfalls waren anderer Ansicht. Der Beweis: Lottis "Missa Sapientiae", aus der sie beide eigenhändig lange Passagen abschrieben. So lieh sich Händel die saftigen Bassmotive für seine Oratorien aus und Bach holte sich hörbar Anregungen für das Layout seiner H-Moll-Messe und insbesondere das Klangkolorit des "Cruzifixus". Als wäre das nicht genug, wird der Ton der Messe auch den Fans von Zelenka (genialer und geschätzter Kollege Bachs sowie Nachfolger Lottis als Kirchenkomponist in Dresden) irgendwie bekannt vorkommen - kein Wunder, instrumentierte der doch das Werk neu und ließ sich zudem von der schlichten Eindringlichkeit des Gloria zu ähnlichen Effekten bei seinen legendären letzten Messen anregen. Hengelbrock und seinen Ensembles, namentlich dem erlesen besetzten Chor, gelingt es, die Musik als das Vorbild wirken zu lassen, das es war. Und mehr noch: So klassisch schlicht und doch ungeheuer klangintensiv, wie sie Lottis Messe darbieten, so aufreizend und experimentell lassen sie die frühe Fassung von Bachs berühmtem Magnificat klingen. So deutlich, wie einem bei der "Verdammung der Hoffärtigen" die traditionelle Harmonik um die Ohren fliegt, so lebendig glaubt man hier den selbstbewussten ehemaligen Kapellmeister Bach vor sich stehen zu sehen, der sich (nach einer wissenschaftlich nur halb bewiesenen These), just mit diesem Werk den Leipziger Kennern zum ersten Mal als genialer Thomaskantor präsentierte.

Carsten Niemann, 17.01.2004



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